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Neue Dimensionen für Drehanwendungen
80
Prozent aller Beschichtungen auf
Wendeschneidplatten für Drehanwendungen und 50
Prozent aller Schichten auf diesen Werkzeugen zum
Fräsen enthalten "-Aluminiumoxid. Die Gründe dafür
sind vielfältig: Diese Form des Aluminiumoxids,
auch als Korund bezeichnet, ist das härteste
Material im Einsatz bei hohen Temperaturen. Zudem
ist es thermisch und chemisch hoch beständig. Das
gilt allerdings nicht für alle Modifikationen: Zum
Beispiel wandelt sich (-Aluminiumoxid, erzeugt
mittels Sputter-Verfahren, bei hohen
Einsatztemperaturen um. Die Folge sind
Volumenänderungen und unerwünschte Spannungen in
der Beschichtung, die dadurch instabil wird.
Forscher haben nachgewiesen, dass dies beim Drehen
von Stahl schon nach wenigen Minuten der Fall ist.
Schlussendlich hat die für hochproduktive
Zerspanungslösungen nötigen hervorragenden
Eigenschaften einzig "-Aluminiumoxid. Dessen
industrielle Herstellung gelang bisher jedoch nur
mittels CVD (Chemical Vapor Deposition). Dieses
Verfahren hat einige Nachteile: Die hohen
Beschichtungstemperaturen von über 1.000 Grad
Celsius führen zur Versprödung in den verwendeten
Hartmetallsubstraten. Darum eignen sich nur
spezielle, hochtemperaturstabile Hartmetalle für
die CVD-Beschichtung. Durch die unterschiedlichen
thermischen Ausdehnungskoeffizienten zwischen
Hartmetall und Beschichtung kommt es zudem beim
Abkühlen nach dem Beschichtungsprozess zur
Ausbildung von thermischen Rissen sowie zu
Zugeigenspannungen in der Schicht. Auch ist die
Schichtauswahl im CVD-Verfahren eingeschränkt – es
kommen nur Kombinationen mit TiN, TiCN und Al2O3
in Frage. Neue Horizonte für das
Werkzeug-Design P3eTM dagegen vereint die
überragenden Eigenschaften von "-Aluminiumoxid mit
den bekannten Vorteilen der PVD-Technologie und
befreit damit Werkzeughersteller und Endanwender
von bisherigen Beschränkungen. Auf die Quelle
dieser Vorzüge verweist schon der Name: X3turn –
sprich „X-Triple-turn“ – ist die erste
Schichtentwicklung mit dem von Oerlikon Balzers
entwickelten Verfahren P3eTM („P-Triple-e“ / Pulse
Enhanced Electron Emission). Herkömmliche
Hartstoffschichten lassen sich damit fast beliebig
mit harten, auf Aluminiumoxid basierenden
Schichten kombinieren. Mit diesem Verfahren können
erstmals thermodynamisch stabile
"-Aluminiumoxid-Beschichtungen bei unter 600 Grad
Celsius hergestellt werden. „Mit den von anderen
Anbietern verwendeten Sputtertechnologien ist dies
nicht möglich“, sagt Dr. Wolfgang Kalss,
Segmentleiter Cutting Tools bei Oerlikon Balzers
in Liechtenstein. Nach seinen Angaben lassen sich
die Schichteigenschaften wie etwa die Schichthärte
nun in einem bisher nicht gekannten Ausmaß
festlegen. „Dies eröffnet dem Design von
Hochleistungswerkzeugen völlig neue Horizonte“, so
Kalss. Durch die niedrigen Abscheidetemperaturen
lassen sich alle Hartmetallsorten ohne
Einschränkung als Substrate zur Beschichtung
verwenden. Dies gilt auch für Feinstkorn- und
Ultrafeinstkornsorten mit optimaler Härte und
besten Zähigkeitseigenschaften. Mit der
Einstellbarkeit der Druckeigenspannungen lässt
sich auch die Ausbreitung von Rissen, die durch
die mechanische und thermische Beanspruchung
während der Bearbeitung entstehen, verhindern oder
minimieren. Dies führt auch zu Vorteilen beim
Werkzeugeinsatz unter Kühlung, also bei
wechselnder thermischer Beanspruchung. Nicht
zuletzt erlaubt das Verfahren eine beliebige
Kombination mit Hochleistungsnitridschichten wie
AlCrN, TiAlN oder AlTiN, so dass sich für jede
spezifische Anwendung eine optimale Leistung
erzielen lässt. Möglich ist ein breites
Schichtdickenspektrum, von dünnen Schichten für
scharfe Schneiden bis zu hohen
Schichtdicken. Erste Tests mit X3Turn sind
möglich Das Potenzial der Technologie P3eTM
zeigte sich rasch an der ersten Schichtentwicklung
X3turn: „Wir konnten schon nach kürzester
Entwicklungszeit die hohe Leistungsfähigkeit der
CVD-Schichtkombination von TiCN mit Al2O3
erreichen“, erzählt Dr. Kurapov, Projektleiter F&E
bei Oerlikon Balzers. Wie das Beispiel einer
typischen Drehanwendung zeigt, bewähren sich die
neuen Kombinationen aus TiAlN mit
Aluminiumchromoxid – (Al,Cr)2O3 – auch unter
typischen Testbedingungen, wie sie für
herkömmliche CVD-beschichtete Wendeschneidplatten
gelten. Der Endanwender und Werkzeughersteller
kann die Vorteile aber nicht nur im
kontinuierlichen Schnitt ausschöpfen. Vor allem
beim unterbrochenen Schnitt und bei der
Bearbeitung unter Kühlung kommen die
Druckeigenspannungen von X3turn vorteilhaft zum
Tragen. „Die Werkzeughersteller müssen die
Hartmetallauswahl jetzt nicht mehr den
CVD-Beschichtungstemperaturen anpassen. Sie können
den Blick jetzt direkt auf die Anforderungen der
Anwendung richten und fast so etwas wie einen
Wunschzettel für die Beschichtung erstellen. Das
bedeutet einen Sprung in der Produktivität und
Standzeit von Drehanwendungen“, versichert Kalss.
Erste Beschichtungstests für Kunden sind bereits
möglich.
Artikel erschienen in WT 102 auf Seite 84.
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