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Ein kleiner Kopf bewegt Großes
Mit
gekreuzten Achsen in Schneckenantrieben lassen
sich große Kräfte bei relativ kleinem Bauraum
übertragen. Diese Weisheit schien bei deutschen
Entwicklern in den letzten Jahren in Vergessenheit
geraten zu sein. Vor etwa drei Jahren war es
deshalb der asiatische Markt, vor allem Hersteller
von Reduktionsgetrieben, die die Fertigung von
Schnecken und das Hartschälen mit entsprechenden
Wälzfräsmaschinen forderten. Bei der Koepfer
Verzahnungsmaschinen GmbH in
Villingen-Schwenningen standen die
Verantwortlichen vor der Wahl: Man konnte auf der
Basis der wesentlich größeren Wälzfräsmaschine K
300 eine neue Maschine entwickeln oder für die
bewährte K 200 enormen Zusatznutzen schaffen. Das
Ergebnis ist eine K 200 mit einem neuen
Universal-Shifting-Fräskopf – ein Fräskopf, der
extrem leistungsfähig ist, sehr klein gebaut und
für das Wälzfräsen von Stirnrädern sowie zum
Fräsen von ein- und mehrgängigen Schnecken
ausgelegt ist. Die kompakte Bauform ermöglicht
zudem, den Fräskopf unter den Reitstock zu
schwenken und so Schneckengeometrien zu fräsen.
Ein High-light, wie Armin Wacker, Leiter Vertrieb
und Marketing bei Koepfer, es bezeichnet, das vor
allem für die typischen Hersteller von
Reduktionsgetrieben, deren Zulieferer und derer
der Automobil-industrie von großem Vorteil ist:
„Mit der neuen K 200 haben wir es geschafft,
völlig neue Einsatzbereiche zu schaffen und so das
Anwendungsspektrum wesentlich zu erweitern. So ist
es damit möglich, auch Schnecken zu fräsen, was
für alle Hersteller in diesem Bereich besonders
interessant ist. Anderseits erreichen wir in
Verbindung mit der neuen Antriebstechnik auch eine
Präzision, die nahe an einer Qualität liegt, die
bisher nur mit dem Schleifen erreicht werden
konnte. Mit dieser Qualität wird die K 200 aber
natürlich auch für sicherheitsrelevante Bauteile
oder die Luft- und Raumfahrt besonders
interessant.“ Diese hochgenauen Verzahnungen sind
ein ganz entscheidender Aspekt, denn ein
Schneckenradantrieb mit gekreuzten Achsen wurde
bislang in der Regel im Tauchverfahren
angefertigt. Hierfür sind zwar nahezu alle
herkömmlichen Wälzfräsmaschinen geeignet,
allerdings kann mit ihnen keinesfalls diese
Genauigkeit erreicht werden. Eine Präzision von
DIN7 bzw. DIN6 ist aber in der Luft- und
Raumfahrt, beispielsweise bei Antrieben für die
Flugzeug-Landeklappenverstellung, zwingend
erforderlich. Mit der K 200 konnten diese Vorgaben
vor allem deshalb erfüllt werden, weil die
Möglichkeit des Tangentialfräsens besteht,
spezielles Werkzeug zum Einsatz kommt und die
entsprechende Software entwickelt wurde. Die
Software wurde von Koepfer mit einer enorm
bedienerfreundlichen Dialogprogrammierung
ausgestattet, für die kein qualifizierter
Facharbeiter mehr notwendig ist. Eine
boomende Nachfrage Mittlerweile sind auch die
europäischen Ingenieure auf den Zug der gekreuzten
Achsen in Schneckenantrieben aufgesprungen. Zu
Recht, wie die betriebswirtschaftliche Betrachtung
zeigt. Mit der K 200 kann die Schnecke weich
vorgefräst, auf derselben Maschine mit dem
Schälwälzfräsen hart nachbearbeitet oder sogar
ohne Schleifen hart verzahnt werden. Das heißt, es
wird bis 54 HRC gehärtet und anschließend in das
harte Material gefräst. Der Vorteil ist, dass
damit höchste Qualität erzielt wird. Es ist sicher
die Summe aller Weiter-entwicklungen, die die K
200 zu einer produktiven und wirtschaftlichen
Maschine macht. Andererseits entwickelt sich der
Markt rasant in Richtung Hartnachbearbeitung von
Schnecken. Lag die Nachfrage nach dieser Form von
Schneckenfertigung vor ca. sieben Jahren noch bei
einem Prozent, sind das heute stolze 40–50
Prozent. So sind beispielsweise im Automobilbau
Hilfsgetriebe für Fensterheber, Sitzverstellung
oder auch Schiebedach mit gekreuzten Achsen
ausgelegt. In Villingen-Schwenningen werden
mittlerweile acht von zehn Maschinen des Typs K
200 mit dem Universalfräskopf ausgerüstet. Selbst
die Lohnverzahner sind inzwischen von dem Konzept
überzeugt. Automatisiert wird ab Losgrößen
von 30 bis 50 Stück Die K 200 ist für
Verzahnungsaufgaben bis Modul 3 mm,
Werkstückdurchmesser bis 120 mm und
Werkstücklängen bis 300 mm ausgelegt. Bei der K
200 beispielsweise sind auch Durchmesser bis 157
mm oder höhere Drehzahlen zu realisieren. Das ist
allerdings vom Einsatzfall abhängig und wird im
Dialog mit dem Kunden festgelegt. Gleiches gilt
für die Automatisierung. Selbst wenn die
durchschnittlichen Losgrößen 4.000–5.000 Stück im
Jahr nicht über-steigen, wird die K 200 nahezu
ausschließlich mit Automatisierungslösungen von
Koepfer ausgestattet. Ob Ladeportal mit V-Greifer,
„schiefer Ebene“ und Bandablage, Mehrfachzuteiler
mit Mehrfachzuführschiene oder der
Langzeit-Umlaufspeicher, ca. 98 Prozent der
ausgelieferten Maschinen werden inzwischen mit
einer der genannten Automatisierungen geordert.
Mehr noch, inzwischen greifen selbst andere
Unternehmen in der Branche gezielt auf die
Koepfer-Automatisierungskonzepte zurück. Ab
Losgrößen von 30 Stück, spätestens ab 50 Stück und
Bearbeitungs-zeiten von ein bis zwei Minuten ist
das auch wirtschaftlich sinnvoll. Aufbauend auf
dem bewährten Polymerbetonbett und mindestens acht
aktivierten CNC-Achsen (eine davon für das
Ladeportal) setzt Koepfer nach wie vor auf die
geschlossene Rahmenbauweise. Im Gegensatz zu
vertikalen Maschinen mit der U-Form verhindert das
geschlossene Kräftediagramm eine eventuelle
“Durchbiegung“ der Reitstock-Hauptspindelachse
auch bei höchsten Spann- und Bearbeitungskräften.
In Sachen Steuerung kommt die vielleicht etwas
exotische BWO zum Einsatz, die aber nach Meinung
der Verantwortlichen hier durchaus ihre
Daseinsberechtigung hat. Ausgerüstet mit
Touch-Panel verfügt die Steuerung über einen
steuerungs-internen Programmspeicher mit 1 MB
Speicherkapazität. Nebenbei bemerkt Armin
Wacker, Leiter Vertrieb und Marketing: „An eine
Neuentwicklung des Fräskopfes hat vor Jahren noch
niemand gedacht, weil der Bedarf nicht da war.
Heute allerdings werden ca. 80 Prozent unserer
Wälzfräsmaschinen K 200 mit dem Shifting-Fräskopf
ausgerüstet.“
Artikel erschienen in WT 107 auf Seite 5.
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