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Laser Tracker messen Triebwerksträger
Der
Airbus-Standort St. Eloi im Zentrum von Toulouse
(Frankreich) ist für die Fertigung aller
Triebwerksträger der Airbus-Reihe verantwortlich.
Mit einem Triebswerksträger, auch Triebwerkspylon
genannt, wird das Triebwerk an der Tragfläche des
Flugzeugs befestigt. Dabei handelt es sich um ein
Konstruktionselement, das für die Passagiere
praktisch nicht sichtbar ist, weil diese Träger
unter verschiedenen aerodynamischen Abdeckungen
unter der Tragfläche verborgen sind. Dennoch ist
es ein echtes „Schlüsselbauteil“. Fast 4000
Befestigungen sorgen dafür, dass diese Komponente
den Belastungen standhält, denen sie ausgesetzt
wird. Denn durch die Triebwerksträger, die alle
Kräfte des Flugzeugs übertragen, verlaufen auch
alle Versorgungsleitungen – Hydraulik, Treibstoff,
Strom, Klimatisierung. Sie werden
Temperaturschwankungen von -40°C im Reisflug bis
zu 200°C oder sogar 300°C beim Starten der
Triebwerke ausgesetzt. Zudem ist der Träger eine
bedeutende aerodynamische Komponente für den
Luftstrom des Triebwerks. Die Qualität der
Fertigung dieses Teils ist daher von ganz
entscheidender Bedeutung für die Sicherheit und
die Leistung eines Flugzeugs. Exponentielle
Steigerung des Durchsatzes In der Messhalle der
Trägerfertigung von St. Eloi werden 100% der
Träger vor ihrer Montage am Flugzeug kontrolliert.
Pro Monat werden 80 Träger geprüft. François
Richer, Koordinator Airline-Kunden im
Qualitätsmanagement erläutert: „Die ersten Mess-
und Kontroll-instrumente für Triebwerksträger
waren Theodolite von Kern mit einer Kamera und
Messstreifen zum Aufkleben. Das Anvisieren durch
Bildverarbeitung war seinerzeit in den 1990er
Jahren ein echter technologischer Durchbruch. 1999
kaufte Airbus St. Eloi 2 Laser Tracker vom Typ
Leica LTD500, die wir sequenziell einsetzten und
mit denen wir damals etwa 600 Träger pro Jahr
vermessen konnten.» Mit dem exponentiellen Zuwachs
der Flugzeugproduktion aufgrund einer steigenden
Nachfrage stiess die Messhalle schnell an ihre
Kapazitätsgrenzen. Herr Richer fährt fort:
„Angesichts des Ziels der Erhöhung des Durchsatzes
um 54% im Zeitraum 2006-2010 galt es, zu reagieren
und eine Lösung für diesen Engpass zu finden.“
Zwei parallel installierte Laser Tracker:
bedeutende Zeiteinsparungen Die erste Idee des
Baus einer zweiten Messhalle wurde schnell
verworfen, denn „durch Platzmangel und die
Schwierigkeiten, die Messhalle identisch
nachzubauen, waren wir gezwungen, auf andere Weise
Zeit zu gewinnen“, erläutert Herr Richer. So
setzte sich schnell die Idee durch, zwei Laser
Tracker von Leica Geosystems parallel zu
installieren, um die Messung zu synchronisieren,
wobei die Hauptschwierigkeit darin bestand, das
System für die Anwender so einfach wie möglich zu
gestalten. Also setzte sich das Team von St-Eloi
mit dem Support der Muttergesellschaft von Leica
Geosystems in der Schweiz in Verbindung, und die
Programmierer der beiden Unternehmen machten sich
an die Arbeit. Es waren die unterschiedlichsten
Herausforderungen zu meistern: Neben der Tatsache,
dass eine Lösung gefunden werden musste, mit der
die beiden Mess-systeme parallel installiert und
synchronisiert werden konnten, stellten auch die
Besonderheiten der unterschiedlichen Messungen auf
beiden Seiten der Träger (mit unterschiedlich
vielen Messpunkten) kein unerhebliches Problem
dar. Der finanzielle Vorteil dieser Lösung ist ein
weiteres Argument: Die beiden vorhandenen Laser
Tracker können übernommen werden, so dass sich bei
den Messzyklen 50% der Zeit einsparen lässt, indem
lediglich die Software für die Steuerung der Laser
Tracker modifiziert wird. Wahl einer
einzigen, einfachen und schnellen Software „Die
ursprünglich von Airbus verwendete Software wurde
den neuen zeitlichen Vorgaben nicht mehr gerecht“,
erinnert sich Stéphane Malet, Vertriebs-ingenieur
bei Leica Geosystems für Südwestfrankreich und
bevorzugter lokaler Ansprechpartner für die
Standorte von Airbus im Raum Toulouse. Heute
basiert die Lösung auf der Software EmScon von
Leica Geosystems. Das interne Entwicklungsteam von
Airbus hat auf der Basis des Tools EmScon eine
Lösung entwickelt, die vollständig in die
Anwendung integriert ist und in der Lage ist, den
Weiterentwicklungen des Systems zu folgen.
Gateways und Konvertierungen zu anderen Systemen
wurden auf ein Minimum reduziert, um die Nutzung
der Software zu vereinfachen und Kosten zu sparen.
Die Benutzer, die immer die Test- und
Validierungsphase fürchten, wurden ebenfalls in
die Entwicklung der Lösung mit einbezogen, um
ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Einer von
ihnen hierzu: „Die Software bietet heute
Funktionalitäten, die es früher nicht gab, mit
einem sehr einfachen System mit Kästchen zum
An-kreuzen, die sich nicht auf die Vorlagendatei
auswirken. Die Benutzeroberfläche ist perfekt, die
Sicherheit optimal, und wir können Protokolle sehr
einfach einsehen und bearbeiten“. Die massive
Straffung der Software macht die Mess-daten
unmittelbar zugänglich, damit beispielsweise eine
Messung von Punkten direkt wieder aufgenommen
werden kann, indem alle Messpunkte in einer
Datenbank gespeichert werden, was den Anwendern
sehr entgegenkommt. Der parallele Betrieb der
beiden Leica LTD 500 hat es damit schnell möglich
gemacht, die Messungen zu synchronisieren. Zwei
Punkte jeder Seite des Trägers bilden eine erste
Orientierung für die Positionierung des
Messobjektes in der Halle; anschliessend lassen
sich anhand der wichtigsten konstruktiven Punkte
zwei getrennte Koordinatensysteme erstellen: Die
triebwerkseitige Bezugsebene und die
tragflächenseitige Bezugsebene. Dann misst jeder
der Laser Tracker die Punkte in seinem
Gesichtsfeld – und das perfekt synchronisiert. Die
Koordinaten der Punkte werden danach durch eine
Matrixrechnung in EmScon mit den Koordinaten der
Konstruktionsabteilung in den verschiedenen
Bezugsebenen verglichen; die Ergebnisse werden
nach Excel® exportiert. „Wir haben mit der
Einführung des parallelen Betriebs unserer beiden
Laser Tracker eine ganze Menge neuer Ideen
ausprobiert“, erläutert Herr Richer. „Die Messung
ein und desselben Ziels im selben Moment
funktioniert beispielsweise sehr gut. Bei einem
Triebwerksträger eines Airbus A380 messen wir 54
Punkte, also insgesamt 216 an den vier Trägern.
Die Punkte, die die triebwerks- und
tragflächenseitigen Bezugsebenen bilden, werden
mit verschiedenen Benennungen zweimal gemessen, um
ihre reale Position zu
bestimmen.“ Spezialwerkzeuge Die
Spezialität des Werkes von St-Eloi war und ist das
Bearbeiten und das Bohren harter Metalle. Es wäre
illusorisch zu meinen, man könne die Teile durch
die Messung positionieren, denn die Bohrkräfte der
numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen sind
enorm; die Montagegestelle müssen ausserordentlich
robust sein. Die Maschinengestelle, die jährlich
überprüft werden, gewährleisten die Montage
elementarer Teile. Die Laser Tracker erstellen
ein globales „Foto“ der Träger. Die gemessenen
Masse ermöglichen eine Endkontrolle und eine
eventuelle Rücksendung für Änderungen oder
Korrekturmass-nahmen. Die Aktualisierung erfolgt
automatisch mit dem Reimport der Datenbank der
Messergebnisse in eine andere Datenbank für eine
statistische Auswertung und mögliche Korrekturen.
Herr Richer hierzu: „Eine statistische Analyse von
Messungen ausserhalb der Toleranzen ermöglicht,
den Grund der Abweichung zu ermitteln und die
erforderlichen Korrekturmassnahmen einzuleiten“.
„Unser Ziel ist es, in Zukunft auf Messhilfen
völlig zu verzichten. Denn die Fertigung und
kontinuierliche Betreuung dieser Sonderwerkzeuge
sind mit erheblichen Kosten verbunden, die sich
mit jedem Trägertyp noch erhöhen. Doch das
Abschaffen der Messhilfen erfordert eine neue
Messlösung. Hierzu wird zurzeit eine
Roboterisierung der Messung mit Leica T-Probe und
einem Laser Tracker geprüft, der einen Roboter in
6 Freiheitsgraden führt. Die Zugänglichkeit sowie
die mechanische Schnittstelle des Roboters müssen
noch geprüft werden. Wir freuen uns darüber, dass
Hexagon Metrology und Leica Geosystems in der Lage
sind, der Entwicklung unseres technologischen
Bedarfs zu folgen und den Bereich der Kontrollen
zu optimieren. Das ist eine echte
Partnerschaft.»
Artikel erschienen in WT 108 auf Seite 64.
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