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Leistungsplus mit neuer Wendeschneidplatte Bemerkenswerte Kostenreduzierung beim Fräsen rostbeständiger Stähle
Die
Solarindustrie entwickelt sich immer mehr zum
lohnenden Absatzmarkt für Maschinen- und
Anlagenhersteller. Allerdings setzen Wachstum und
Qualitätsforderungen dieses Marktes eine
zuverlässige Fertigung voraus, von der einzelnen
Komponente bis zur einbaufertigen Komplettlösung –
Leistungen, wie sie die Firma Heinrich Betz OHG in
über einhundert Jahren erworben hat. Das als
Handwerksbetrieb zur Produktion von Werkzeugen für
die Uhrenindustrie gegründete Unternehmen
präsentiert sich heute in der vierten Generation
als mittelständischer System- und Lösungsanbieter
für die Vakuumtechnik. Bei der Herstellung von
Kühlplatten, Schleusenventilen und mechanischen
Anlagen zur Beschichtung von Photovoltaikkacheln
für die Solarindustrie, für Monitortechnologien
und den IT-Bereich zählt das Unternehmen aus
Ortenberg im hessischen Wetteraukreis mit seinen
185 Beschäftigten heute zu den weltweit führenden
Lieferanten. Leistungsangebot auf dem
Prüfstand Die hohen Ansprüche des System- und
Lösungsanbieters an die Planungs- und
Engineeringkompetenz finden ihre Fortsetzung in
der Fertigung. Um hier die bestmöglichen
Ergebnisse zu erzielen, werden alle
Fertigungsbereiche, schwerpunktmäßig das Bohren
und Fräsen, ständig auf ihre Leistungsfähigkeit
und Wirtschaftlichkeit überprüft. Neben dem
Tiefbohren bildet das Fräsen von Großteilen bis 14
m Länge, 3,2 m Höhe, 1,2 m Breite und mit
Gewichten bis zu 25 Tonnen einen Schwerpunkt im
Leistungsspektrum der Firma Betz. Zu diesem
Abmessungsbereich zählt auch die spanende
Bearbeitung der aus rostbeständigem Stahl
(Werkstoff 1.4301) bestehenden
Beschichtungskammern. In deren Stirnseite wird in
einem vorbereitenden Arbeitsgang durch
Brennschneiden ein Schlitz eingebracht, der dann
bei der Fertigbearbeitung auf Maß gefräst werden
muss. Markus Hild, technischer Einkauf Firma Betz,
beschreibt die Ausgangssituation: „Das Fräsen der
Beschichtungskammern mit unserem damaligen
Werkzeugbestand – wir hatten Fräser verschiedener
Hersteller im Einsatz – stellte uns nicht
zufrieden. Besonders bei den gängigen
Stirnseitenabmessungen von 1200 x 500 mm sahen wir
Handlungsbedarf, sowohl bei den Schnittleistungen
als auch bei den Werkzeugkosten. Diese
beeinflussten bei der Betrachtung der Gesamtkosten
die Kalkulation der Beschichtungskammern in einem
Maße, das der Bedeutung dieses Arbeitsganges nicht
entsprach. Auch bei entsprechender
Berücksichtigung der schweren Zerspanbarkeit der
rostbeständigen Stähle erhofften wir uns von neuen
Werkzeugen und Strategien deutliche
Verbesserungen.“ Neue Wendeschneidplatte für
rostbeständige Stähle Mit dieser grundsätzlichen
Forderung sahen sich Bernhard Müller und Bruno
Koch, Anwendungstechniker der Firma Ingersoll
Werkzeuge GmbH, konfrontiert, als sie ihre
Vorschläge zur Optimierung der Fräsprozesse
ausarbeiteten. Etwas spezifiziert und durch
weitere Daten ergänzt, lautete die Aufgabe:
Vorfräsen des 30 mm dicken stirnseitigen
Anschlussflansches aus V2A mit einer Zugfestigkeit
von 850 N/mm² und Schruppen des mit einem Aufmaß
von 9 mm brenngeschnittenen Schlitzes mit einer
Toleranz von 0,1 mm. Für die Aufgabe
„wirtschaftliches Schruppen“ empfahlen die beiden
Frässpezialisten den Einsatz des bewährten
Walzenstirnfräsers HiPosPlus mit der neu
entwickelten Wendeschneidplatte BOMT. Die positive
Geometrie der extrem weichschneidenden Werkzeuge
beeindruckt vor allem durch die ausgezeichnete
Tauchfähigkeit beim linearen oder bohrzirkularen
Fräsen und durch eine absatzfreie
Schulterbearbeitung. Ein weiteres Merkmal ist der
verstärkte Schneidkeil mit einer bestmöglichen
Kombination von weichem Schnitt und hoher
Stabilität. Die Wendeschneidplatte BOMT in den
Größen 9 und 13 mm eignet sich dadurch bestens zum
Fräsen von Guss, Stahl, rostbeständigem Stahl,
Superlegierungen und Titan. Da die Platte über
eine kräftige Schraube geklemmt wird, ist ein
Schraubenbruch nahezu ausgeschlossen. Durch die
sehr enge Teilung bieten die Werkzeuge dieser
Baureihe vor allem hinsichtlich Produktivität
einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Sie sind als
Schaft-, Eck- und Walzenstirnfräser mit
Durchmessern von 20 bis 125 mm lieferbar. Die
Baureihe Walzenstirnfräser umfasst 21 Werkzeuge
mit Nenndurchmessern von 25 bis 63 mm und mit
Aufnahmen nach DIN 1835 B, DIN 8030 oder
Innofit-Aufnahme. Bearbeitungszeit reduziert,
Qualität verbessert Anfang März letztes Jahres
unterbreitete Ingersoll seine
Bearbeitungsvorschläge und seit Juni beweisen die
Werkzeuge ihr angekündigtes Leistungsvermögen
äußerst erfolgreich in der Praxis. Der
Walzenstirnfräser HiPosPlus mit 50 mm
Nenndurchmesser und 20 Zähnen, vier davon
effektiv, wird auf einem
Soraluce-Bearbeitungszentrum eingesetzt. Es
verfügt über 46 kW Antriebsleistung und nimmt das
Werkzeug in einer Spindel SK 50 DIN 69871 auf.
Sehr zur Freude von Markus Hild und seinem
Maschinenführer kann mit diesem Werkzeug bei
Luftkühlung trocken gearbeitet werden, mit all den
Vorteilen für die Arbeitsstelle, das
Maschinenumfeld und auch die Kostenbilanz. Nach
verschiedenen Versuchen und unter Berücksichtigung
der speziellen Anforderungen an die
Gesamtbearbeitung der Beschichtungskammer aus
rostbeständigem Stahl definierten die
Frässpezialisten der Firmen Betz und Ingersoll
folgende Schnittdaten als besonders
wirtschaftlich: Schnittgeschwindigkeit vc = 120
m/min, Drehzahl n = 764 1/min, Schnitttiefe ap =
65 mm und Schnittbreite ae = 10 mm. Bei einem
Vorschub pro Zahn fz = 0,25 mm und einem
Tischvorschub vf = 764 mm/min wurde der Schlitz
2.300 x 200 x 65 mm in nur vier Schnitten bei
guter Oberflächenqualität in 30 Minuten fertig
geschruppt. Der direkte Vergleich mit dem zuvor
eingesetzten HSS-Fräser eines namhaften
Werkzeugherstellers spricht eindeutig für die
neuen HiPosPlus-Werkzeuge. Hauptzeitreduzierungen
um bis zu 500 Prozent sowie um bis zu 50 Prozent
höhere Standzeiten in Verbindung mit einer
deutlich höheren Prozesssicherheit sprechen eine
eindeutige Sprache. Auch mit den ebenfalls zur
Diskussion stehenden HM-Werkzeugen des Wettbewerbs
konnte der Leistungsvorsprung der
Ingersoll-Werkzeuge nicht egalisiert
werden. Werkzeug- und Bearbeitungskosten
deutlich gesenkt Da das Ingersoll-Konzept die
Verantwortlichen von Firma Betz auf Anhieb
überzeugte, verzichtete man auf weitere Versuche
mit anderen Fabrikaten und setzte die
HiPosPlus-Fräser auch beim Bearbeiten von
Kammerdeckeln aus Werkstoff 1.4301 ein. Die etwa
2250 x 1090 mm großen und 25 mm dicken Deckel mit
zwei Bohrungen von 140 mm Durchmesser werden durch
Brennschneiden vorgearbeitet und anschließend auf
das Fertigmaß gefräst. Auch beim Schruppen des
Deckelumfangs und der beiden Bohrungen bewährten
sich die Walzenstirnfräser mit der neuen
BOMT-Wendeschneidplatte bestens. Die deutlich
höheren Werkzeugkosten relativieren sich unter
Berücksichtigung der um den Faktor 12 höheren
Werkzeugstandzeit sowohl bei den
Beschichtungskammern als auch bei den
Kammerdeckeln sehr schnell. Umgerechnet ergeben
sich teilebezogene Reduzierungen der
Bearbeitungszeiten gegenüber der vorherigen
Bearbeitung im Verhältnis von 1:15. Unter
Berücksichtigung aller kostenrelevanten Faktoren
kann die Firma Betz damit die Kosten pro Bauteil
um 86 Prozent reduzieren. Aber nicht nur diese
beeindruckenden Zahlen stellen Markus Hild und
sein Team zufrieden. Die deutlich höhere
Prozesssicherheit bietet ihnen weitere
Alternativen bei der Maschinenbelegung vor allem
in den mannarmen Schichten. Das ruhige Arbeiten
der stark positiven Wendeschneidplatten spart
Energie und reduziert die Spindelbelastung des
Bearbeitungszentrums, die Trockenbearbeitung
vereinfacht die Maschinenpflege und durch das
Schruppen auf Fertigmaß im unteren Zehntelbereich
erübrigen sich die bisher erforderlichen
Schlichtarbeiten.
Artikel erschienen in WT 109 auf Seite 78.
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