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Vorbohren, Bohren, Reiben – alles in Sekundenschnelle!
Wenn sich
zwei Technologie-Spezialisten wie die Langer Group
GmbH & Co. KG und die Paul Rothmund
Kunststoffverarbeitung GmbH, beide ansässig in
88636 Illmensee, zu einem Joint Venture
zusammentun, dann hat das schon seine Gründe und
die Kunden, und solche die es werden wollen,
dürfen sich über ein fokussiertes
Zerspantechnik-Dienstleistungsspektrum freuen. So
geschehen im Jahr 2001, als die beiden Unternehmen
Langer und Rothmund sich dazu entschlossen, die
Firma LARO NC-Technik GmbH zu gründen und das
Know-how für die Präzisionsbearbeitung von
Großteilen in den neuen Betrieb auszulagern. Ein
Großteil des besagten Know-hows geht auf die
langjährigen Erfahrungen der seit 1975 bestehenden
und in den Bereichen Modellbau/Cubing, Formen- und
Werkzeugbau, Prototypen-, Prüfmittel- und
Anlagenbau, Sondervorrichtungen sowie
Serienfertigung von Spritzgießteilen tätigen
Langer-Group zurück. Ergänzend dazu hatte und hat
Rothmund Kunststoffverarbeitung spezielle
Anforderungen hinsichtlich Formen und Werkzeugen
für Kunststoff-Großteile. Um nun keine
Doppel-Inves-titionen in Maschinen, Technologien
und Personal vornehmen und auch um das Know-how
nicht parallel erarbeiten zu müssen, konzentrierte
man in zwei auf dem Gelände der Langer-Group
gebauten Hallen fünf leistungsfähige 3- bis
5-Achsen-Fräsmaschinen bzw.
Großteile-Bearbeitungszentren, mit denen
Werkstücke bis 20 Tonnen Einzelgewicht komplett
bearbeitet werden können. Die Arbeitsbereiche der
Großteilebearbeitungszentren gehen bis 6.000 x
2.850 x 2100 mm (X-Y-Z), so dass bei LARO
NC-Technik in der Praxis so gut wie alle aus der
eigenen Gruppe wie vom Partner Rothmund und von
Fremdkunden an LARO herangetragenen
Präzisionsbearbeitungen vorgenommen werden können.
Das doch spezielle Geschäft mit der
Präzisions-/Komplettbearbeitung von Großteilen
läuft mittlerweile und auch der Krise zum Trotz so
gut, dass sich LARO bis heute auf insgesamt 28
Mitarbeiter, davon vier Auszubildende entwickeln
konnte. Die Kunden kommen aus den
Industriebereichen Automobil, Luft- und Raumfahrt,
Energie- und Wasserkrafttechnik,
Kunststoffverarbeitung, Robotik und
Anlagenbau. Erfolg ist die Summe des
Ganzen Dazu sagte Elmar Müller, Geschäftsführer
LARO NC-Technik GmbH: „Wir sind hier im Normalfall
in der Einzelstück-Großteilefertigung aktiv und
haben maximale Seriengrößen bis 1.000 Stück pro
Jahr. Wir bearbeiten alle denkbaren Materialien
wie Aluminium, Grauguss, Stahl bzw. Werkzeugstahl,
Verbundwerkstoffe und verschiedene
Modellbaumaterialien. Aus diesem Grund haben wir
auch keine speziellen Modellbau-Fräsmaschinen,
sondern sind mit Hochleistungs-Bearbeitungszentren
ausgerüstet, die wir sehr flexibel einsetzen
können“. Um den Kunden die jeweils modernste
Technik anbieten zu können, investiert LARO
sukzessive in neue Bearbeitungssysteme, wie
zuletzt zum Beispiel in ein
Universalbearbeitungszentrum UBZ HP 300/200 T-3
von Handtmann. Außerdem arbeitet LARO intensiv mit
verschiedenen Herstellern von Zerspanwerkzeugen
zusammen, wohl wissend, dass erst und nur die
optimale Kombination aus Maschine und Werkzeug(en)
sowie weiteren Peripherie-Ausrüstungen und
Parameter-Einstellungen zum Erfolg führt.
Beispielsweise besteht schon sehr lange eine für
beide Seiten erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem
Zerspanwerkzeuge-Spezialisten ISCAR Germany GmbH,
76275 Ettlingen, im Großraum Oberschwaben
vertreten durch die Firma PARA Werkzeuge und
Maschinen aus dem nahen Ravensburg. Dort ist
Günter Petto, Technische Beratung und Verkauf, u.
a. für den Kunden LARO zuständig und bekommt
entweder von Elmar Müller oder vom
Produktionsleiter, Ralf Eberhard, anspruchsvolle
Aufgaben sozusagen erteilt. Im vorliegenden Fall
ging es ausnahmsweise einmal nicht um die
Bearbeitung eines Kunden-Großteils, sondern um die
reproduzierbar Genauigkeitsbohr- und
Präzisionsreibbearbeitung von drei Großpaletten
des neuen Universalbearbeitungszentrums. Diese
drei Paletten müssen nämlich mit Rasterbohrungen
(ausgehend von den standardisierten
Raster-Vorgaben für Vorrichtungen und Werkzeuge
aus der Automobilindustrie) versehen werden, um
sowohl neue Prototypen-, Modell-, Formen-,
Werkzeug- und Vorrichtungsteile als auch
bestehende Formen und Werkzeuge etc. für
Änderungen und Reparaturen exakt und dabei
positionsbestimmt aufnehmen zu können. Als
ziemlich anspruchsvoll gestaltete sich die Aufgabe
deshalb, weil es hier um die Präzisionsbearbeitung
von insgesamt 3 x 600 = 1.800 Stufenbohrungen (in
drei Paletten 600 Bohrungen) geht und weil der
Werkstoff St 37-2 wegen möglicher
Materialtoleranzen bekanntlich nicht sehr gut zu
zerspanen ist. Zudem stellten Elmar Müller und
Ralf Eberhard die Forderung, dass die Bohr- und
Reibbearbeitung rationell vonstatten gehen muss,
weshalb der Einsatz konventioneller
Vollhartmetallreibahlen von Anfang an in Frage
stand. Rationeller durch dreistufige Bohr-
und Reibbearbeitung Nach der Bedarfsabklärung
und Analyse bezog Günter Petto den für
Anwendungstechnik und Beratung zuständigen
Kollegen Markus Pohle von ISCAR mit ein und beide
setzten sich dann mit Roland Rau, Produktmanager
Bohren & Reiben/PKD, an einen Tisch. Daraus
mündete der Vorschlag, diese schwierige
Stufenbohr- und Reibbearbeitung dreistufig
anzugehen, nämlich das Vor- und Kernlochbohren mit
11,2 mm Durchmesser mit einem SUMOCHAM-Bohrer
anzugehen, das Aufbohren auf 17,5 mm mit einem
DR-TWIST-Bohrwerkzeug durchzuführen und für die
Reibungsbearbeitung eine
Hochgeschwindigkeitsreibahle BAYO T-REAM
einzusetzen. Alle drei Werkzeugsysteme sind
dadurch gekennzeichnet, dass sie jeweils einen
standardisierten Schaft-Grundkörper aufweisen und
auf diesen dann entweder Wechselköpfe
(SUMOCHAM-Bohrer sowie bei der BAYO
T-REAM-Reibahle) oder Wendeschneidplatten (beim
DR-TWIST-Bohrer) montiert werden. Dies hat
einerseits den Vorteil, dass bei gleichem
Grundkörper durch Wechsel der Schneidköpfe bzw.
der Wendeschneidplatten in den
Bearbeitungsdurchmessern variiert werden kann, und
zum anderen müssen je nach Verschleißerscheinung
lediglich die Schneidköpfe bzw. die
Wendeschneidplatten gewechselt werden. Beide
Kriterien sind zwar auch im Fall „Rasterbohrungen
in die drei Paletten“ von Interesse, jedoch
wollten Elmar Müller und Ralf Eberhard vor allen
Dingen Zeit und damit Geld sparen und die
Bearbeitungen möglichst rationell durchführen.
Nach Durchführung der ersten Probe- und
Serienbohrungen ergab sich folgendes Bild:
Kernlochbohren auf 50 mm Tiefe mit dem
SUMOCHAM-Bohrwerkzeug mit 11,2 mm Durchmesser mit
einer Schnittgeschwindigkeit von 100 m/min,
einer Spindeldrehzahl von 2.842 min-1 und einem
Vorschub von 0,20 mm, Bearbeitungsdauer für 580
Bohrungen = 156 Minuten bzw. 9.369 Sekunden oder
16,153 Sekunden pro Bohrung; Aufbohren auf 16 mm
Tiefe mit dem Bohrwerkzeug DR-TWIST auf
Durchmesser 17,5 mm mit einer
Schnittgeschwindigkeit von 380 m/min, einer
Spindeldrehzahl von 6.912 min-1 und einem Vorschub
von 0,06 mm, Bearbeitungsdauer für 580
Aufbohrungen = 72 Minuten bzw. 4.320 Sekunden
oder 7,448 Sekunden pro Bohrung; Reiben auf 18 mm
Durchmesser bei Bohrungs-tiefe 14 mm mit dem
Reibwerkzeug BAYO T-REAM mit einer
Schnittgeschwindigkeit von 160 m/min, einer
Spindeldrehzahl von 2.829 min-1 und einem Vorschub
von 1 mm, Bearbeitungsdauer für 580 Reibungen = 60
Minuten bzw. 3.600 Sekunden oder 6,206 Sekunden
pro Reibung. Präzise, schnell und sehr gute
Oberflächen bei hohen Standzeiten und geringen
Werkzeugkosten Nicht unerwähnt bleiben sollte in
diesem Zusammenhang, dass trotz dieser
herausragenden Bearbeitungsleistungen mit sehr
guten Oberflächen der Werkzeugverschleiß
buchstäblich kaum der Rede wert ist. So wurde beim
Vorbohrer SUMOCHAM erst nach 350 Bohrungen ein
Bohrkopfwechsel erforderlich, der Auf- und
Fertigbohrer DR-TWIST benötigte auch erst nach 300
Bohrungen neue Wendeschneidplatten, und beim
Reibwerkzeug BAYO T-REAM war selbst nach den
ersten 580 Reibungen noch kein Reibkopfwechsel in
Sicht. Roland Rau, Produktmanager Bohren &
Reiben/PKD fasste das Projekt zusammen: „Wir
haben mit den beiden Bohrwerkzeugsystemen SUMOCHAM
und DR-TWIST sowie auch mit dem Reibwerkzeug BAYO
T-REAM ganz hervorragende Werkzeuge für die
hochproduktive, hochflexible und sehr
kostengünstige Bearbeitung im Programm. Hier
konnten wir die dreistufige Kompetenz zum
Vorbohren/Kernlochbohren sowie zum
Aufbohren/Aufsenken und schließlich dem
Hochgeschwindigkeitsreiben komplettz einbringen.
Der Kunde arbeitet seit Jahren sehr eng mit uns
zusammen und ist gegenüber neuen Werkzeugen und
alternativen Bearbeitungsideen sehr
aufgeschlossen“. Nicht zuletzt freuen sich auch
die LARO-Geschäftsführung und die Mitarbeiter über
solche Erfolge, die zudem helfen, auf breiter
Basis die Akzeptanz für neue Lösungsansätze mit
anderen Werkzeugen zu schaffen. Abschließend
meinte der Produktionsleiter Ralf Eberhard: „Die
Kosten pro fertiger Bohrung und Reibung liegen mit
27 Cent zum Vorbohren, 24 Cent zum Aufbohren und
35 Cent zum Reiben sprich zusammen 86 Cent
sozusagen im absolut grünen Bereich. Darin sind
die Bearbeitungszeiten, die Werkzeug-Grundkosten
sowie die Kosten für die Wechselschneiden und
Wechselzeiten komplett enthalten. Außerdem sehen
wir den Vertrauensvorschuss gegenüber ISCAR als
voll gerechtfertigt und bestätigt an, denn hier
handelte es sich ja nicht um die Bearbeitung
irgend eines Werkstücks, sondern um elementare
Bestandteile unseres neuen Fertigungssystems, mit
dem wir viele Jahre Geld verdienen
müssen“.
Artikel erschienen in WT 116A auf Seite 44.
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