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Anpassung - Integration - Offenheit Neue Regeln in der Beschichtungsindustrie (und in der progressiven Wirtschaft) T. Cselle - PLATIT AG, Selzach, Schweiz
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Flexible Anpassung der Produkte (an die
Anforderungen der Anwendung des Kunden) “Der
Massenmarkt ist tot, er wird ersetzt durch eine
neue Masse von Nischen“ [1]. In den beiden
ersten Jahrzehnten (1980-2000) der beschichteten
Zerspanungswerkzeuge war die Anpassung an die
jeweilige Anwendung wegen der begrenzten
Flexibilität der damals zur Verfügung stehenden
Beschichtungstechnologie nicht möglich, aber auch
nicht gewollt. Die großen Lohnbeschichter und die
noch größeren Werkzeughersteller beschränkten sich
auf wenige Standardschichten, die auf ein sehr
breites Spektrum von Anwendungen “verteilt“
wurden. Für die Massenproduktion war dieser
Zustand ideal. Man hat die Werkzeuge in großen
Beschichtungskammern, in großen Stückzahlen
beschichtet und mit sehr guten Margen vermarktet.
Mit dem Erscheinen von flexiblen (und kleineren)
Beschichtungsanlagen (Anfang 2000-) änderte sich
das Bild. Die Anzahl der abscheidbaren und auch
auf dem Markt verfügbaren Schichten explodierte
(Bild 1). Diese Explosion wurde zum Teil durch
die innovativen Beschichter, aber vor allem die
die Anwender vorangetrieben. Sie erkannten, dass
die an die Bedingungen der Bearbeitung angepasste
“dedicated“ Schicht für die spezielle Anwendung
eine wesentlich höhere Leistung bringt, als die
Universalschichten (z.B. Bild 2). Falls die
Beschichtung in die eigene Fertigung integriert
wird, bieten die dedicated Schichten neben ihren
hohen Leistungen neue und effiziente
Vermarktungsmöglichkeiten. Die Werkzeug-geometrien
kann man heute ziemlich schnell nachahmen, die
Beschichtungen viel weniger. Deswegen ist das
Vermarktungsargument; Alles -
Schneidstoff-Geometrie-Schicht - aus einer
“dedicated“ Hand, besonders einleuchtend und
nützlich. Zwischenfazit zur “Anpassung“: Der
Trend zu vielen Nischenschichten ist so eindeutig,
dass man langsam dazu neigt, ein Mooresches-Gesetz
für Schichten aufzustellen…. 2 Integration
neuer Technologien (in den Fertigungsprozess
des Kunden) “Grundlage unserer Wirtschaft ist
nicht mehr Knappheit, sondern Überfluß. Die
Kontrolle über Waren und deren Verteilung
garantiert nicht länger Prämien und
Gewinn. Heute werden Gewinne erzielt, indem
Kunden die Möglichkeit bekommen, bei der
Entstehung, Verteilung, Vermarktung und
Verbreitung von Produkten mitzuwirken“ [1]. Das
eigene, integrierte In-House-Beschichten war lange
Zeit das Privilegium von großen
Werkzeugherstellern. Alle anderen wurden durch die
Verteilungsnetze der erstmals wenigen
Lohnbeschichtern bedient (Bild 3). Die
Lohnbeschichtung war sehr profitabel, wodurch
immer mehrere Firmen auf den Markt drängten. Die
meisten von ihnen haben natürlich kein Interesse
viele, unterschiedliche “dedicated“ Schichten
abzuscheiden. Sie müssen ihre großvolumigen
Anlagen füllen und daher die unterschiedlichsten
Werkzeuge und andere Substrate mit möglichst wenig
verschiedenen Schichten versehen. Durch die
immer stärkere Lohnbeschichtungskonkurrenz sinken
die Preise kontinuierlich. Durch die Abwanderung
der Lohnbeschichtungskunden in den Hafen der
integrierten In-House-Beschichtung verringern sich
die Auftragsgrößen. Die Lohnbeschichter müssen
Profiteinbusse akzeptieren. Sie versuchen
natürlich die Verluste durch
Rationalisierungsmaßnahmen zu kompensieren, in
erster Linie durch die verbesserte Verteilung der
beschichteten Werkzeuge, durch optimierte Logistik
(Pick-up Service, Chargieren und Waschen durch den
Kunden, etc.) Diese Maßnahmen sind sicherlich
nützlich, aber kompensieren die Vorteile der
integrierten In-House-Beschichtung nicht. Dies
zeigt auch die breit angelegte Studie von L.E.K.
[3]. Untersucht wurde u.a., was ist wichtig für
die Anwender von Schichten. Ohne Ausnahme sprechen
alle der 10 wichtigsten Kriterien für die
In-House-Beschichtung (Bild 4). In den letzten 5
Jahren zeigt sich der Trend eindeutig; die
bisherigen anspruchsvollen Lohnbeschichtungskunden
wollen die Kontrolle in die eigene Hand nehmen.
Der Lohnbeschichtungsmarkt wächst nur im
Low-Tech-Bereich, dort wo Quantität wichtiger ist
als Qualität, also vor allem in
China. Zwischenfazit zur “Integration“: Gebe
die Kontrolle an deinen Kunden – oder du wirst ihn
verlieren! 3 Öffnung des Wissens (um es
mit dem Kunden zu teilen). “Pipelines,
Menschen, Produkte oder eben geistliches Eigentum
sind nicht länger die Schlüssel zum Erfolg.
Offenheit ist es“ [1]. Was ist Innovation?
Innovation ist „etwas neu Geschaffenes“. Der
Begriff wird unspezifisch im Sinne von neuen Ideen
und Erfindungen und für deren wirtschaftliche
Umsetzung verwendet. Die innovativste Branche
ist momentan ohne Zweifel die IT-Industrie. Sie
bringen Neuigkeiten in einem rasanten Tempo
heraus. Um die Branchenführung kämpfen momentan
zwei Firmen, deren Unternehmensphilosophien nicht
unterschiedlicher sein könnten [4]. • Die eine
arbeitet nach geschlossener Hierarchie und
betreibt eine Hochpreispolitik. • Die andere
setzt auf Offenheit, Selbstmotivation und
kostenfreie Dienstleistungen. Die Situation ist
auf dem Markt der Werkzeugbeschichtungen ähnlich.
Die Marktführer geben über ihre Schichten kaum
Informationen heraus: • Über Zusammensetzung und
Schichtstrukturen wird geschwiegen. • Die
physikalischen Eigenschaften werden nur durch
Richtwerte beschrieben. • Beim Verkauf einer
Beschichtungsanlage – werden die Schichten
festgefroren und sind durch den Anwender nicht
veränderbar, – wobei die Rezepte einen
bedeutsamen Kostenposten darstellen. Die
TripleCoatings3® von PLATIT stellen dazu – im Zuge
der Open Source Philosophie – den krassen Gegenpol
dar: • Die Zusammensetzungen und Stöchiometrie
(Schichtstruktur) sind offengelegt (Bild 5). •
Neben den Schichtzusammensetzungen zeigt es auch
die Kathodenkonfigurationen, die zur Herstellung
der jeweiligen Schichten eingesetzt
werden. • Die Auswirkung der einzelnen
“Komponenten und Dopingelemente“ ausführlich
beschrieben [6], [7]. • Der Anwender erhält
detaillierte Mess-werte und Diagramme über die von
ihm verwendeten Schichten. • Die Standard
TripleCoatings®-Rezepte sind für die Anwender
offen (Open Source) und veränderbar (nach dem
Motto, jeder weiß was ihm das Beste ist). • Die
Nanocomposite-Standardrezepte der TripleCoatings3®
sind “Kernbestandteile“ der PLATIT-Anlagen, sind
also für die Anwender kostenfrei. • Die
Mitglieder der TripleCoatings3® - Schichtfamilie
sind Mosaiksteine, die systematisch (und offen)
ausgebaut werden. Den heutigen Stand (Jan/2011)
stellt das Bild 6 dar. Open Source bedeutet
nicht, dass der Lieferant alle seiner Geheimnisse
seinem Kunden offenlegen muss, den Algorithmus der
Systemsoftware oder die interne Konstruktion der
Beschichtungskathode. Es bedeutet aber, dass er
schlüsselfertige Systeme [7] mit vollständigem
Know-how liefert, damit sein Kunde, der Anwender
neue Produkte (z.B. neue dedicated Schichten)
kreieren kann (und dies mit oder ohne den
Lieferanten). PLATIT startet den Vorstoß nicht
aus Nächstenliebe, sondern, • im Interesse der
schnellen, weltweiten Verbreitung der
TripleCoatings3®. • Die Anwender sollen nicht
zögern, diese High-Tech-Schichten einzusetzen. Sie
sollen aus falschen Ein-sparungsüberlegungen
heraus mit den konventionellen “TiN & AlTiN & Co.“
keine Zeit und Leistung verlieren. Zwischenfazit
zur Offenheit: “ In 40 Jahren habe ich noch
nicht erlebt, dass sich das geschlossene System
gegen das offene durchgesetzt hat“ – sagt der
berühmte Schweizer Open Source Befürworter,
Logitech-Gründer Daniel Borel [5]. 4
Zusammenfassung In der progressiven Wirtschaft
(die Beschichtungsindustrie gehört ohne Zweifel
dazu) fallen heute 3 neue, wichtige und
charakteristische Regeln auf: • die dedizierte
Anpassung der Produkte an die Anwendung, • die
direkte Integration neuer Technologien (wie z. B.
die Beschichtung) in den Fertigungsprozess, die
bis jetzt als Dienstleistung in Lohnarbeit
erledigt wurden und • die volle Offenheit, womit
das Know-how der zu integrierenden neuen
Technologie von Lieferanten an den Anwender
übertragen wird. Referenzen: [1]
BuzzMachine by Jeff Jarvis;
www.buzzmachine.com [2] Volz, P.:
Anwendungsoptimierte Nanocomposite-Schichten,
Werkstatt und Betrieb, Hanser Verlag,
München, 06/2010, p.23-25. [3] Thin-Film Coating
Market – L.E.K. Consulting GmbH, München,
2007. [4] Kowalsky, M.: Krieg der Welten –
Apple vs. Google – Bilanz; Das Schweizer
Wirtschaftsmagazin, Springer Verlag,
Zürich, August/2010. [5] Real Open Source;
www.zwahlendesign.ch [6] Cselle, T., Morstein,
M., Lümkemann, A.: TripleCoatings3® - The Open
Source – Schichtfamilie, Werkzeug- Technik
Nr.115, Boulogne, Sept/2010. [7] Compendium 2011
- PLATIT-Katalog und Website:
www.platit.com
Artikel erschienen in WT 118 auf Seite 38.
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