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Effizient in die Tiefe
Das
Tieflochbohren gilt als äußerst sensibeler
Bearbeitungsprozess. So kommt es unter anderem mit
zunehmender Bohrtiefe immer wieder zu Problemen
bei der Spanbildung, Spanabfuhr, der
Werkzeugbeanspruchung sowie der Prozesssicherheit.
Dass es aber in der Praxis schon beim Anfahren des
Bohrers zu ersten Problemen kommen kann, erstaunt
fast ein wenig. Der Bohrer ist horizontal
eingespannt und erhält so eine leichte
Durchbiegung. Beschleunigt man nun die Maschine
mit eingespanntem Bohrer auf 3.000 min-1, kommt es
unweigerlich zu enormen Schwingung des Bohrers.
Ein exaktes Bohren wird so unmöglich. Beträgt die
Drehzahl des Bohrers dagegen nur 500 min-1,
fährt damit in die Bohrung und beschleunigt dann
weiter, gibt es das Problem nicht mehr. So lapidar
die Lösung auch klingen mag, in den Work-shops von
OSG zeigt sich bei Anwendern aus allen
Industriezweigen, dass man nicht alles als
selbstverständlich voraussetzen kann. Als ein
häufig auftretendes aber auch ernsthaftes Problem
gilt die Spanbildung bzw. die Späneabfuhr beim
Tieflochbohren. Ansätze dieses Problem in den
Griff zubekommen, gibt es von Seiten der
Werkzeughersteller zahlreiche. Mit der neuen
FTO-Serie geht zumindest OSG hier deshalb jetzt
völlig neue Wege. So setzt man auf die neue
WD1-Beschichtung und vier Margin-Führungsfasen.
Die neue Beschichtung wurde notwendig, weil immer
mehr Anwender zur Minimalmengenschmierung und
gleichzeitig zur Bearbeitung von
Oberflächengehärteten Materialien übergehen.
Während herkömmliche TiAlNi-Beschichtungen bis
zirka 600°-700° C wärmestabil sind, liegt die der
WD1-Beschichtung bei 1.300°C. Da die Beschichtung
als Multi-Layer aufgebaut ist, wird auch deren
Dynamik entscheidend verbessert. Während bei
Mono-Layer Beschichtungen Mikroausbrüche (die bei
jedem Zerspanungswerkzeug entstehen) sofort auf
das Grundsubstrat durchschlagen, wird dies durch
mehrere Lagen kompensiert. Die vier
Margin-Führungsfasen dagegen verfügen über eine
optimale Geradlinigkeit (Genauigkeit) als
beispielsweise zwei Fasen. OSG arbeitet allerdings
zudem mit einer speziellen Nutgeometrie. So bricht
durch den kleinen Spanformradius der Span besser.
Eine bessere Spanabfuhr wird aber zusätzlich auch
durch die Verjüngung der Stollenbreite und somit
einen größeren Spanraum erreicht. Ein weiterer
Aspekt ist die Minimierung der Reibung. Das heißt,
bei der Beschichtung des Bohrers entstehen
Troplets, die den Spänefluss „bremsen“. OSG führt
deshalb ein Finishing der Oberfläche durch und
erreicht so eine absolut glatte Struktur für einen
reibungslosen Späneabtransport. Neben dem Thema
Späne ist beim Tieflochbohren allerdings auch noch
die Werkzeugbeanspruchung entsprechend zu
berücksichtigen. Umso gleichmäßiger die
Schneidenbelastung, umso homogener verläuft der
Schnitt. Deshalb ist es, wie bei OSG praktiziert
von enormer Bedeutung die Schneidenphase klar
definiert herzustellen. Bei unterbrochenen
Schnitten - wie beispielsweise durch Querbohrungen
- dagegen kommt es unweigerlich zu
Schlagbelastungen auf den Bohrer. Abhilfe schaffen
hier eine hohe Shock-Festigkeit oder auch die
bereits erwähnten Multi-Layer Beschichtungen.
Mit weniger Drehmoment zu höherer
Festigkeit Auf welchem Werge nun Gewinde
hergestellt werden, wird sicher weiter eine
Ermessensfrage bleiben. Fakt dagegen ist, dass
das Gewindeformen gegenüber dem Gewindebohren
zahlreichen Bereichen überlegen ist. Die Vorteile
der Kaltverformung sind vor allem bei
automatisierten bzw. Mann losen Prozessen oder
auch Störkonturen zu sehen, denn es fallen bei
Formen keine Späne an und es gibt keine
Unterschiede für Durchgang- oder Sackloch-Gewinde.
Zudem entstehen keine Flankenwinkel- oder
Steigungsfehler, der Faserverlauf im Gewinde ist
ununterbrochen. Durch die Kaltverfestigung in den
Flanken werden zudem eine höhere Festigkeit und
gleichzeitig eine bessere Gewindeoberfläche
erzielt. Als ein wesentlicher Vorteil ist aber
auch die breite Werkstoffpalette zu nennen, die
damit bearbeitet werden kann. Allerdings sollte
die mögliche Bruchdehnung des Werkstoffes bei
mindestens acht Prozent und dessen maximale
Festigkeit nicht über 1.200 N/mm2 liegen. Die
Nachteile des Gewindeformens sind, dass die
Kernlöcher wesentlich genauer sein müssen als beim
Gewindebohren. So ist es beispielsweise bei einem
Gewinde M6 wichtig, exakt die vorgegebenen 5,55 mm
vorzubohren. Diese Genauigkeit entscheidet
letztendlich, wie stabil ein Bearbeitungs-prozess
läuft. Außerdem ist beim Gewindeformen ein Einsatz
von Wind-eisen nicht möglich und auch die
Wärmeentwicklung ist höher. Hat man sich aber für
das Gewindeformen entschieden, lohnt es allemal
die unterschiedlichen Qualitäten der Werkzeuge
gegenüberzustellen. So wird mit der neuen
patentierten und spiralisierten Geometrie, des
S-FL-XPF von OSG eine wesentlich effizientere und
homogenere Gewindeausformung gegenüber gerade
genuteten Werkzeugen möglich. Realisiert wird das
durch fünf Polygone, die nicht wie bei
herkömmlichen Gewindeformern nacheinander sondern
vorgelagert in das Werkstück eintauchen und es so
zu einem weichen Schnitt kommt. Durch die bessere
Kernausformung werden die beim Gewindeformen
entstehenden Fließkrallen gleichmäßiger. Außerdem
werden wesentlich größere Gewindeflanken und damit
mehr Tragkraft des Gewindes erreicht. Gleichzeitig
lässt sich das erforderliche Drehmoment um bis zu
20 Prozent reduzieren. Resultierend daraus ist die
Wärmeentwicklung nicht so stark und bei der
Bearbeitung mit Minimalmengenschmierung (MMS) von
großem Vorteil. Unabhängig davon hat der weichere
Schnitt auch eine messbare Standzeitverlängerung
des Gewindeformers zur Folge.
Artikel erschienen in WT 121 auf Seite 122.
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