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Messbare Effizienz gibt es nicht im Katalog
Herr
Pokolm, Pokolm-Frästechnik genießt im Werkzeug-
und Formenbau seit den 80er Jahren einen
ausgezeichneten Ruf. 1996 kamen noch die Firmen
voha und tosec hinzu. Viele Anwender können das in
der Praxis noch immer nicht richtig
zuzuordnen. Sie haben Recht, diese
Zusammenarbeit war immer erklärungsbedürftig. Wir
haben damals nach einer guten Ergänzung im Bereich
Vollhartmetall gesucht und mit voha gefunden.
Deshalb lag es nahe, die Aktivitäten
markttechnisch zu bündeln. Das haben wir mit voha
getan. Seit diesem Jahr aber sind wir dabei,
das zu ändern, denn wir haben mittlerweile wieder
leicht unterschiedliche Ausrichtungen. Wir möchten
die Marke Pokolm wider mehr in den Vordergrund
stellen, unser Produktsortiment im Bereich VHM
deutlich weiter ausbauen, ebenso unsere
Auslandsaktivitäten. Wir werden aber weiterhin die
voha-Werkzeuge vertreiben. Stichwort
Globalisierung. Inwieweit sind Sie denn schon
international tätig? Bislang bewegt sich unser
Auslandsanteil bei knapp 35 Prozent. Dabei liegt
der Schwerpunkt ganz klar in Europa mit
Tschechien, und der Slowakei aber auch Polen und
Rumänien machen viel Freude. Hinzu kommen Italien,
Skandinavien. Frankreich bauen wir derzeit
verstärkt auf. Immer mehr kommt auch Asien. Ein
spannender Markt, der allerdings preislich sehr
stark unter Druck steht. Seltsamer weise finden
man da auch Werkzeuge von Mitbewerbern, die Sie
hier nie zu dem Preis bekommen würden. Trotzdem
schaffen es unsere dort ansässigen Händler aber,
über die Leistungsfähigkeit der Werkzeuge zu
verkaufen. Und auch in USA und Kanada sind wir
vertreten, haben aber noch deutliche
Ausbaupotenziale. Alles in allem wollen wir den
Auslandsanteil in den nächsten Jahren aber weiter
deutlich erhöhen. Nun ist Harsewinkel
nördlich der Mainlinie. Wirkt sich das berühmte
Nord-Südgefälle auch auf Ihre Kundenstruktur aus?
Interessanterweise gar nicht. Dazu muss man
wissen, dass wir geografisch zwei Schwerpunkte
haben. Der eine ist hier rings um Harsewinkel, der
andere im Süden Deutschlands. Das heißt, in Bayern
und in Baden-Württemberg sitzen auch
Mitgesellschafter unseres Unternehmens. Darüber
hinaus, haben wir in allen Regionen Deutschlands
unsere Außendienstmitarbeiter. Für unsere Kunden
ist der Firmensitz aber nicht so wichtig. Da geht
es doch mehr darum, vor Ort eine kompetente
Beratung zu haben und schnell seine Werkzeuge und
Aufnahmen zu bekommen. So bieten Sie neben
Werkzeugen auch komplette Werkzeug-, Aufnahme- und
Spindelsysteme an. Wäre das nicht Grund genug,
auch die Serienfertigung zu bedienen? Wir sind
aus dem Formenbau entstanden und mit ihm
gewachsen. Mein Vater, der das Unternehmen
gegründet hat, ist gelernter Kopierfräser und hat
beim Umstieg von NC auf CNC die Probleme erkannt
und Lösungen entwickelt. Mittlerweile ist das ein
sehr breites Sortiment, das auf komplexe 3D-Formen
abgestimmt ist. Und diesen Teil beherrschen wir
hervorragend. Auch deshalb ist die Serienfertigung
als Ganzes für uns weniger ein Thema. Nun haben
aber auch anderen Branchen wie der Maschinenbau,
die Serienfertigung oder auch die Luft- und
Raumfahrt in Teilbereichen komplexe 3D-Formen. Und
genau diesen Teil bedienen wir sehr gerne.
Pokolm wird meist bei hohem Zerspanvolumen
angesiedelt. Sie können aber doch auch
Schlichten? Das ist richtig, beim Schruppen sind
wir sehr stark. Tatsächlich ist es aber so, dass
wir den gesamten Bereich, also vom Grobschlichten
bis zur Feinstbearbeitung, abdecken. Das wurde von
uns bislang nur zu wenig kommuniziert. In den
letzten Jahren hört man speziell bei
Werkzeugherstellern, dass man in unterschiedlichen
Ligen spielt. In welcher Liga spielt
Pokolm? Ganz klar in der Premium-League was die
Qualität und Leistungsfähigkeit der Werkzeuge
angeht. Das Krisenjahr 2009 haben wir ja wie alle
stark gespürt. Was mich allerdings ein wenig stolz
macht, wir sind längst nicht so abgestürzt wie der
Durchschnitt der Branche mit 38 Prozent. Bei uns
waren es nur knapp über 29 Prozent. Ich denke, das
spricht für sich. Der Ursprung jeder
Genauigkeit sitzt bekanntlich im Werkzeug.
Häufiges Argument bei Vollhartmetall-Werkzeugen
ist deshalb, dass sich der gesamte
Herstellungsprozess, also Hartmetall, Schleifen
und Beschichten, in einer Hand in der Qualität des
Werkzeugs widerspiegelt. Also zunächst ist es
so, und das hören wir auch von unseren Kunden,
dass unsere Werkzeuge bzw. die Werkzeugträger mit
zu besten aktuell auf dem Markt zählen. Wir sind
zwar kein Schneidstoffhersteller und das macht uns
abhängig. Aber, wir können uns, die für uns
wichtigen und interessanten Leistungsfähigkeiten
aussuchen und sind damit bislang nicht schlecht
gefahren. Wie hat sich denn der Wettbewerb in
Ihrem Markt, vor allem auch durch asiatische
Hersteller entwickelt? Im Vollhartmetall-Bereich
sicher etwas stärker, im Trägerbereich dagegen
spüren wir die Asiaten nicht so stark. Insgesamt
aber hat sich der Wettbewerb vor allem durch den
Preisdruck verschärft. Da setzen wir mit der
Beratungsleistung an, um für den Anwender den
Mehrwert zu schaffen. Sie sprechen davon,
dass Prozesse neu betrachtet, eingefahrene
Prozesse analysiert und neue Lösungsansätze
entwickelt werden müssen. Was dürfen wir konkret
darunter verstehen und welchen Beitrag kann Pokolm
hier leisten? Zunächst haben wir die Erfahrung
gemacht, dass man Kunden durchaus klar machen
kann, dass sich Werkzeuge auf Grund der höheren
Leistungsfähigkeit rechnen. Längere Standzeiten
beim Schlichten oder mehr Volumina beim Schruppen
wirken sich ganz einfach messbar positiv aus.
Damit ist es aber nicht getan. Man muss vor Ort
darauf eingehen, mit welcher Maschine, Materialien
und welcher Aufspannung gearbeitet wird. Wichtig
ist auch, was kann das CAM-System. Abgestimmt auf
diese Gegebenheiten, muss das Werkzeug ausgewählt
werden. So ist jeder Anwender effektiver, als wenn
er aus irgendeinem Katalog ein Werkzeug bestellt.
Unabhängig davon kooperieren wir - auch bei
konkreten Projekten - sehr eng mit den führenden
Maschinenherstellern und CAD/CAM-Anbietern.
Pokolm hat erst kürzlich mit dem
Werkzeugsystem Spinworx® auf sich aufmerksam
gemacht. Dabei dreht sich ja die
Wendeschneidplatte während der Bearbeitung. Wie
kommt man auf eine solche Idee? In dem man sich
am Markt etwas umsieht, Probleme analysiert und
dann etwas gut Funktionierendes entwickelt.
Die weit verbreitete Meinung aber ist doch,
dass höchste Stabilität nur durch starre, stehende
Systeme erreicht wird. Ist es da nicht
schwierig, Anwender von einer solchen Lösung zu
überzeugen? Ja und es ist noch immer schwierig.
Das Werkzeug und das Konzept dahinter sind nach
wie vor phänomenal aber es müssen dabei einige
Kleinigkeiten beachtet werden. Das Werkzeug
einfach wie ein herkömmliches einzusetzen,
funktioniert nur eingeschränkt. Sind aber gewisse
Rahmenbedingungen gegeben, funktioniert es
hervorragend. Stichwort Standzeit. In nahezu
jedem Report von Werkzeugherstellern liest man von
der Verdoppelung der Standzeit. Wohin soll das
führen, will keiner mehr Werkzeuge
verkaufen? Jein, denn für den Kunden macht das
ja durchaus Sinn. Natürlich wollen wir Werkzeuge
verkaufen aber wir müssen und wollen auch unsere
Kunden weiterbringen. Deshalb sprechen wir bei
Spinworx® nicht von einer Verdopplung sondern von
einer drei- bis vierfachen höheren Standzeit. In
diesem Zusammenhang muss man aber sicher auch die
Entwicklungen der Maschinen sehen, die heute
wesentlich leistungsstärker sind. Auch dem müssen
die aktuellen Werkzeuge gerecht werden. Sie
haben vor 18 Monaten die Pokolm-Academy gegründet.
Was können Sie den Menschen, die aus der Praxis
kommen, über deren Erfahrung hinaus noch
mitgeben? Der Teil Beratung ist seit Beginn eine
unser großen Stärken. Das machen wir zu einem
gewissen Teil auch vor Ort. Um aber wirklich alle
Leistungsreserven, an konkreten Bearbeitungen
aufzuzeigen bzw. auszuschöpfen kommen Kunden zu
uns ins Haus. So haben wir beispielsweise jetzt
die Themen Kalt- und Warmarbeitsstähle. In der
Academy werden aber auch unsere Mitarbeiter
weitergebildet.
Artikel erschienen in WT 121 auf Seite 90.
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