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Reale Werkzeugdaten sind der Schlüssel für höhere Produktivität
Herr
Zoller, das Unternehmen ZOLLER ist sehr
erfolgreich im Bereich der Einstell- und
Messgeräte. Was hat Sie bewogen, intensiv in die
Sparte Software einzusteigen? Alexander Zoller:
„Auf der Emo 1981 haben wir schon zum ersten Mal
auf einem Commodore C64-System eine
Werkzeugverwaltungssoftware präsentiert. Seit
damals entwickeln wir Software, welche mit unseren
Einstell- und Messgeräten ausgeliefert wird.
Aktuell dagegen ist, dass wir die
Werkzeugverwaltungssoftware auch ohne Einstell-
und Messgeräte vertreiben. Hierzu haben wir uns
vor ca. zwei Jahren entschieden, einen
zusätzlichen Vertrieb, völlig losgelöst vom
Einstell- und Messgerätevertrieb,
aufzubauen.“ Die Werkzeugverwaltung wird nun
ja bereits von einigen CAD/CAM-Herstellern
angeboten. Hat die ZOLLER-Software hier mehr zu
bieten und wodurch unterscheidet sich ZOLLER Tool
Management gegenüber den herkömmlichen
Lösungen? Alexander Zoller: „Für das ZOLLER TM
ist entscheidend, dass die Werkzeugdaten einmal
angelegt werden und dann in unterschiedlichen
Abteilungen, bzw. Programmiersystemen genutzt
werden können. Sehr häufig stellen wir in der
Praxis fest, dass in der Werkzeugverwaltung eines
Programmiersystems die Werkzeugdaten nur
theoretisch für die Programmierung vorhanden sind,
jedoch die realen Werkzeuge für die Fertigung
fehlen. ZOLLER TM vereint somit die theoretischen
und realen Werkzeuge. Sie versprechen mit
dem Einsatz von ZOLLER TM neben der Einsparung an
Werkzeugkosten auch eine Reduzierung der
Maschinenstillstandszeiten? Alexander Zoller:
„Ja, denn der große Vorteil von ZOLLER TM ist,
dass Sie damit vorausschauend planen können. Das
ZOLLER »flash«-Modul z. B. mit der Anbindung an
unterschiedliche Maschinensteuerungen gibt
Informationen darüber, wann Werkzeuge in der
Maschine getauscht werden müssen und somit die zu
ersetzenden Werkzeuge just-in-time für den
nächsten geplanten Werkzeugwechsel zur Verfügung
stehen. Neben der Reduzierung der
Maschinenstillstandszeiten können mit diesem
Modul auch die Werkzeugstandzeiten optimiert
werden.“ Es sollen ja mittlerweile einige
CAM-Anbieter wegen der reellen Daten auf die
ZOLLER-Datenbank zurückgreifen. Zur Simulation
bzw. Kollisionsüberwachung macht das im Zeitalter
der 5-Achsen-Bearbeitungen sicher Sinn. Heißt
das aber auch, dass man damit die Lager- und
Werkzeugverwaltung an ZOLLER abgibt? Alexander
Zoller: „In der Praxis ist es heute doch so, dass
zahlreiche Unternehmen mit mehreren
unterschiedlichen Werkzeugdatenbanken arbeiten. Da
gibt es eine Datenbank für das Programmiersystem,
eine für das Werkzeuglager, eine für ein Einstell-
und Messgerät und ein ERP-System ist auch im
Einsatz. Diese unterschiedlichen Systeme müssen
mit sehr hohem Aufwand ge-pflegt werden, wenn dies
überhaupt gemacht wird. Mit ZOLLER TM stellen wir
deshalb eine Werkzeugdatenbank zur Verfügung, aus
welcher sich unterschiedliche Bereiche bedienen
können. Der Pflegeaufwand wird somit drastisch
reduziert. Abgesehen von der Reduzierung der
Werkzeugkosten und Minimierung der
Maschinenstillstandszeiten vermindern Sie mit
ZOLLER Tool Management auch Ihren
organisatorischen Aufwand.“ In der Praxis
gilt die Schnittstellenproblematik als
Schreckgespenst. Sie wollen mit ZOLLER TM künftig
die Lücken zwischen CAM-System,
Lagerverwaltung, Voreinstellen, Messen und
Maschine schließen. Wie wollen Sie das erreichen
und worauf haben sich Ihre Kunden
einzustellen? Alexander Zoller:
„Schreckgespenster treten immer dann auf, wenn
Schnitt-stellen nicht definiert sind oder von
Unternehmen Versprechen gemacht werden, welche
leider nicht gehalten werden. In unserem Stammhaus
in Pleidelsheim sowie in unserer Niederlassung in
Hannover führen wir »Lunch & Learn«-Seminare
durch, in welchen der Werkzeugkreislauf gezeigt
wird und die Interessenten Anregungen und Lösungen
für eine effiziente Fertigung bekommen. Bei diesen
Seminaren wird nicht darüber gesprochen, wie der
Werkzeugaustausch sein könnte, sondern wie er
aktuell zu unterschiedlichen Programmiersystemen
und Maschinen-steuerungen stattfindet.“ Sie
bieten drei Software-Module für den Einstieg an.
Für welche Unternehmen rechnet sich was und
wann? Alexander Zoller: „Der Einsatz von ZOLLER
Tool Management setzt sicher eine Umstrukturierung
in der Organisation voraus. So eine Umstellung
beginnt mit der Analyse des Werkzeugbestandes und
dem Aufbau einer Werkzeugdatenbank. Das geht nur
Schritt für Schritt und nicht über Nacht. Deshalb
sind die Module so aufgebaut, dass sie sich
Prozess begleitend einsetzen lassen. Das heißt,
alle Unternehmen - ob klein oder groß - beginnen
mit einem Modul und erweitern dann
kontinuierlich. Die Module rechnen sich immer und
es kommt nur darauf an, wie schnell und wie viel
Geld ein Unternehmen mit ZOLLER TM Monat für Monat
verdienen will.“ Das Unternehmen ZOLLER ist
bekannt dafür, dass es konkreten Kundennutzen
verspricht. So sollen mit dem Einsatz von TM bis
zu 20 Prozent Einsparungen bei den Werkzeugkosten
möglich sein. Wie wird das möglich? Alexander
Zoller: „Zunächst wird mit ZOLLER Tool Management
der Werkzeugbestand ja reduziert. Die Unternehmen
wissen damit künftig, welche Werkzeuge im Einsatz
sind und welche nicht. Außerdem lässt sich
feststellen, ob versprochene Standzeiten
realisiert werden. Zudem werden die richtigen
Werkzeuge an die richtige Maschine geliefert und
Werkzeugsuchzeiten werden auf ein Minimum
reduziert. All dies zusammen bedeutet je nach
Unternehmensgröße Gewinn – Monat für Monat.“
Zur EMO 2011 stellen Sie neue Einstell- und
Messgeräte sowie Inspektionsgeräte vor. Wohin geht
denn hier der Trend und was darf man von ZOLLER in
naher Zukunft erwarten? Alexander Zoller: „In
der Messtechnik geht der Trend klar in die
virtuelle Werkzeugvermessung. So kann man heute
die 3D-Werkzeugdaten eines Werkzeugherstellers in
ein virtuelles Inspektionsgerät einlesen. Es
lassen sich also bereits während der
Werkzeugkonstruktion Messprogrammabläufe
definieren oder Toleranzen überprüfen, bzw.
festlegen. Bei den Einstell- und Messgeräten
werden wir einige Sonder-anwendungen präsentieren
und so viel sei schon jetzt verraten, Sie dürfen
einen Paukenschlag erwarten.“ Lassen Sie uns
noch kurz über Märkte sprechen. Wer gehört neben
der Teilefertigung sowie dem Werkzeug- und
Formenbau noch zum Kundenkreis von ZOLLER und sind
eventuell Tendenzen zu verzeichnen? Alexander
Zoller: „Das Unternehmen ZOLLER ist mit seinen
Produkten in allen Industrien mit spanabhebender
Fertigung vertreten. Dazu zählen unter anderem die
Medizintechnik, die Flugzeug- und
Automobilindustrie oder auch der Energiesektor. In
diesen Branchen findet derzeit ein sehr starkes
Wachstum statt. Speziell in der Medizintechnik
oder in der Luftfahrt wird TM für die
Verifizierung und Dokumentation von Werkzeugen
sicher große Vorteile bringen.“ Das
Unternehmen ZOLLER entwickelt und montiert nach
wie vor in Deutschland. Können Sie so auf Dauer
wettbewerbsfähig bleiben? Alexander Zoller:
„Durch unsere lokale Vertriebs- und Servicepräsenz
in den für uns wichtigsten Exportmärkten wie die
USA und China kennen wir die Anforderungen dieser
Märkte sehr gut und diese werden von unseren
Ingenieuren und unserer Entwicklungsabteilung
zeitnah und zuverlässig in Deutschland umgesetzt.
Für uns gibt es zzt. keinen Grund Entwicklungs-
oder Montagekapazitäten von Deutschland
auszulagern um wettbewerbsfähig zu
bleiben.“
Artikel erschienen in WT 121 auf Seite 110.
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