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30 Jahre ABS Kupplung für modulare Werkzeugsysteme Schrittmacher ABS® Interview mit Gerhard Stolz von der KOMET GROUP
Gerhard
Stolz war bereits sechs Jahre in der
Entwicklungsabteilung bei KOMET® tätig und damals
schon für den Bereich der Normung zuständig, als
die erste ABS Kupplung entstand. Redaktion:
Herr Stolz, Sie sind quasi als Mann der ersten
Stunde am Erfolg der ABS Kupplung beteiligt. Was
war damals die Vision, die Sie und Ihre Kollegen
antrieb? G. Stolz: Im Grunde war es die Vielfalt
an Maschinenschnittstellen, die seinerzeit am
Markt waren. En Vogue war allen voran der
Steilkegel, der in seiner klassischen Form jedoch
die Voraussetzungen für einen automatischen
Werkzeugwechsel nur bedingt geboten hat. Deshalb
kam es damals beispielsweise auch zum sogenannten
VDI-Schaft mit einer Greiferrille, der im
weitesten Sinne der Vorläufer der heutigen,
genormten Steilkegel nach DIN 69871 oder
mittlerweile ISO 7388 ist. Weil es zur damaligen
Zeit jedoch noch keinen Standard gab, haben die
Maschinenhersteller den Steilkegel nach jeweils
eigenen Anforderungen modifiziert, wodurch
letztlich eine Vielzahl unterschiedlichster
Ausführungen entstand. Die Folge daraus war, dass
Werkzeuge mit einem jeweils speziellen Steilkegel
ausgestattet werden mussten und so für andere
Maschinen meist nicht zu verwenden
waren. Redaktion: Sollte die ABS Kupplung also
eine Art Adapter für Werkzeuge in
Maschinenspindeln sein? G. Stolz: Ja, aber bei
Weitem nicht nur. Die Situation mit den
vielfältigen Spindelschnittstellen hat zusätzlich
die Bewegung zu modular zusammengesetzten und
damit bedarfsgerechten Werkzeugen maßgeblich
beflügelt. Mit der ABS Kupplung war der Weg frei,
Werkzeuge in vielen unterschiedlichen Maschinen
einsetzen zu können. Gleichzeitig war mit ABS auch
eine steife Verbindungsmöglichkeit geschaffen, die
etwa die Adaption von leistungsstarken Bohrkronen
auf Werkzeugschäfte ermöglicht. Damit wurde unsere
Werkzeugtrennstelle zum Schrittmacher für die
Entwicklung modularer Werkzeugsysteme. Vor allem
Anwender haben den modularen Gedanken in sehr
breiter Weise umgesetzt. Redaktion: Diesem
Gedanken folgend, Werkzeuge bzw. deren Komponenten
mit Trennstellen auszustatten, um sie flexibler
nutzen zu können, sind aus den Reihen der
Werkzeughersteller unterschiedlichste Lösungen
entstanden. Worauf führen Sie den weltweiten
Erfolg der ABS Kupplung zurück? G. Stolz: Dass
ABS sich zu einem führenden Kupplungssystem
entwickelt hat, hat mehrere Gründe. Im
Wesentlichen ist es die Technik, die auf einem
genial einfachen Grundprinzip, zylindrischer
Pass-zapfen und Aufnahmebohrung mit einer
Planflächenverspannung, über radiale
Spannschrauben und Querbolzen, beruht. Diese
steife Verbindung wurde vor allem in der
Automobilindustrie und in Großunternehmen schon
nach kurzer Zeit zu Firmenstandards erklärt. Damit
einhergehend hat eine zielgerichtete
Lizenz- Strategie zum weltweiten Erfolg
beigetragen. Diese gibt Maschinen-, Werkzeug- und
Zubehörherstellern die Möglichkeit, ihrerseits ABS
Trennstellen zu fertigen und zu verwenden. Wir
haben immerhin rund 200 Lizenznehmer, die ihre
Kunden mit der bevorzugten Trennstelle bedienen
können. Um diesen unser ABS-Know-how umfassend und
mit den stetigen Weiterentwicklungen aktualisiert
zur Verfügung zu stellen, haben wir jüngst eine
spezielle KOMET-Lizenzpartner-Datenbank
eingerichtet, in der alle Informationen zum
Download bereitstehen. Übrigens: Neue Lizenznehmer
sind uns jederzeit willkommen. Redaktion: Die
stetigen Weiterentwicklungen über die 30-jährige
Erfolgsgeschichte der ABS Kupplung haben Sie
bereits angesprochen. Was haben ABS-Anwender
konkret von der nun neusten Innovation? G.
Stolz: Es ist richtig, dass wir das ABS
Kupplungssystem im Lauf der Jahre, den wachsenden
Anforderungen entsprechend, stets weiterentwickelt
und systemtechnisch ergänzt haben. Zahlreiche
Systemvarianten erfüllen aus dem Baukasten die
unterschiedlichen Anforderungen in der
zerspanenden Bearbeitung sowie in weiteren
Anwendungen. Zwischendurch gab es auch größere
Innovationsschritte, mit denen beispielsweise
Drehmomente und Toleranzen optimiert wurden, um
steifer, leistungsfähiger und beim Werkzeugwechsel
positionsgenauer zu werden. Das neue ABS hat
jedoch so grundlegende Veränderungen erfahren,
dass dies zu einer logistischen Herausforderung
wurde. Unter dem Strich ist es uns aktuell
gelungen, die Spannkraft um ca. 20 – 30 % zu
erhöhen und den Spannvorgang, also die
Wechselzeiten, um satte 25% schneller zu
machen. Redaktion: Mit so deutlichen
Verbesserungen stellt sich die Frage, ob dafür
einschneidende Veränderungen in der Technik
notwendig waren und wie diese zu dem bisherigen
System passen? G. Stolz: Letztlich sind es
mehrere entscheidende Detailverbesserungen aus
denen die gesteigerte Spannkraft, der Zuwachs an
Steifigkeit sowie die höhere Genauigkeit
resultieren. So hat jetzt der Pendelbolzen,
anstatt einer 90°-Spitze, an der Flanke zur
Kegelschraube eine gestufte Form, an welcher zwei
Kontaktpartien vorgesehen sind. Zusätzlich wurde
der Pendelbolzen so geändert, dass er noch besser
geführt wird. Die Spannschraube wurde verkürzt,
was zur Reduzierung der Wechselzeit geführt hat.
Letztlich wurde die Bauform der Kegelschraube
verändert, womit ein größerer Schlüsseleingriff
möglich wurde. Außerdem sorgt dort eine
zusätzliche kegelförmige Kontaktpartie für
100%-ige Kompatibilität zwischen bisherigem und
verbessertem ABS. Redaktion: Welchen Nutzen
haben Anwender von der neuen ABS Kupplung und wo
sehen Sie, bei den heute verfügbaren Maschinen-
bzw. Werkzeugschnittstellen, die künftigen
Einsatzbereiche? G. Stolz: In der Tat gibt es
neben der bereits erwähnten
Steilkegel-Schnittstelle zwischenzeitlich weitere
auch genormte Versionen wie beispielsweise HSK
außerdem sind im Bereich der reinen
Werkzeugtrennstellen einige mehr oder weniger
verbreitete Varianten entstanden. Ohne hier nun
die Technik kommentieren zu wollen, liegt ein
wesentlicher Unterschied darin, dass diese
firmengebunden und ohne vergleichbares
Lizenzsystem nur in eingeschränktem Umfeld
einsetzbar sind. Vor diesem Hintergrund und in
Anbetracht einer zunehmenden Anzahl individueller
Schnittstellen sind Anwender immer stärker daran
interessiert modulare Werkzeuge einzusetzen, die
ihre Flexibilität erhöhen. Dank der hohen
Akzeptanz, der weltweiten Verbreitung und ihrer
Perfektion bietet die KOMET ABS® Kupplung
größtmögliche Freiheiten bei der Gestaltung
solcher Werkzeuge und deren nahezu
uneingeschränktem Einsatz. Mit dem aktuellen
Innovationsschritt ist das System
zukunftsorientiert für diese Anforderungen
gerüstet. Dank der höheren Spannkraft und der
damit gewonnenen Steifigkeit, sind neue und immer
leistungsfähiger werdende Werkzeuge problemlos
einsetzbar. Außerdem sind bei entsprechender
Modularität im Werkzeug innovative
Werkzeugtechnologien, Schneidstoffe und
Beschichtungen schneller in der Anwendung
verfügbar, als dies im Fall von
Monoblockwerkzeugen mit individueller
Schnittstelle möglich wäre. Auch daraus entsteht
für ABS Anwender eine hohe Flexibilität in Form
schneller Reaktionsfähigkeit im Umfeld der sich
rasch weiterentwickelnden Zerspanungstechnik.
KOMET ABS® Kupplungen werden also nach wie vor
Schrittmacher für die Entwicklung modularer
Werkzeug-systeme sein. INFO KOMET ABS®
Funktion und Eigenschaften Die ABS Kupplung
besteht aus einer Spindel-seitigen Aufnahme und
einem Werkzeug-seitigen Zapfen-Schaftteil. Zu der
Aufnahme gehören neben der zylindrischen Bohrung
zwei Quergewinde mit der Spannschraube und der
Kegelschraube. Zum Zapfen-Schaftteil gehören neben
dem zylindrischen Zapfen mit Querbohrung der
Pendelbolzen, Positionierstift und Kühlmittelrohr.
Durch Achsversatz von Spannschraube/Kegelschraube
und Pendelbolzen kommen beim befestigen die
Kegelflächen (Kontaktpartien) zur Anlage und
bewirken die Verspannung. Die Orientierung der
Werkzeugschneide übernimmt der Positionierstift,
welcher unter Last (Schnittkraft) eine radiale
Beweglichkeit zulässt. An Werkzeugen, bei welchen
eine exakt definierte Schneidenlage erforderlich
ist, erfolgt die Positionierung und
Drehmomentaufnahme über Mitnehmernuten an der
Aufnahme bzw. Mitnehmerstein am Werkzeug. Eine
Dichtscheibe zur leckagefreien
Kühlschmierstoffdurchführung runden das
Einbauelemente-Sortiment ab. Die exakt
abgestimmte Dimensionierung des ABS Systems im
Zusammenhang mit einem äußerst geringen
Passungsspiel führt beim Verspannen zu einer
minimale Verformung mit selbstzentrierender
Vierpunktanlage, aus der eine enorme
Biegefestigkeit, hohe Wechselgenauigkeit und ein
vorteilhaftes Dämpfungsverhalten resultiert. Das
ABS System wird daher in vielen Fällen auch als
Direktaufnahme in Spindeln verwendet. Vorstehend
beschriebene Eigenschaften sorgen für eine gute
Schwingungsstabilität auch bei relativ weit
auskragenden Werkzeugen. Die ABS Kupplung ist
durch Patente sowie weitere gewerbliche Rechte
geschützt.
Artikel erschienen in WT 122B auf Seite 102.
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