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Neue Dimensionen der Zerspanungsleistung beim Schruppen mit langen Auskraglängen im Werkzeug- u. Formenbau Stefan Pick - HITACHI Tool -
Neue
Dimensionen der Zerspanungsleistung beim Schruppen
mit langen Auskraglängen im Werkzeug- u.
Formenbau Stefan Pick - HITACHI Tool - Seit
über zwei Jahrzehnten hat sich beim Schruppen von
grösseren 3-D-Formen die Fräsbearbeitung mit
runden Fräswendeplatten durchgesetzt. Mit einer
Änderung der Frässtrategie, hin zu kleineren
Zustellungen und höheren Vorschüben, ergab sich
für den Fertiger eine enorm gesteigerte
Produktivität gegenüber der herkömmlichen
Fertigung mit grossen Zustellungen und sehr
niedrigen Schnittparametern. Die Entwicklung neuer
Hartmetallsubstrate und neuer Beschichtungen
brachte weitere Fortschritte bzgl. Standzeiten und
die Möglichkeit hoher Schnittgeschwindigkeiten in
der Trockenbearbeitung. Neue Massstäbe mit
“Alpha Turbo” HITACHI TOOL entwickelte eine
aussergewöhnliche Fräserserie, die in der
Volumenzerspanung mit langen torischen Werkzeugen
neue Massstäbe setzt und beschäftigte sich nun mit
dem grössten Nachteil einer runden Wendeplatte -
dem Schneidenkontakt (Umschlingung) im Wand- u.
Radienbereich der Kontur eines Werkstücks. Bei
Spantiefen von 0,5 x Wendeplattendurchmesser (1x
R) ergibt eine runde Geometrie die Umschlingung
eines Viertelkreises. Dies hat einen hohen
radialen Druck zur Folge und führt zu grossen
Problemen bei Auskragungen über 3 x D. Vibrationen
führen zu Ausbrüchen der Schneidkanten und somit
zu mangelhaften Standzeiten sowie fehlender
Bearbeitungssicherheit. Der Anwender begegnet
dieser Problematik in der Regel mit dem Einsatz
sehr zäher Substrate (P40), kleinen z-Zustellungen
und reduzierten Vorschüben. Lange Laufzeiten und
ständige Werkzeugüberwachung sind die Folge. Die
neu entwickelte Wendeplattengeometrie der „Alpha
Turbo“ - Serie von HITACHI TOOL ermöglicht es nun
lange Fräswerkzeuge wesentlich wirtschaftlicher
einzusetzen. „Alpha Turbo“ hat einen axialen
Freiwinkel von 5° und reduziert somit erheblich
die radialen Kräfte beim Fräsprozess (siehe Bild
2). Mit einem grossen Schneidenradius von R10 bzw.
R15 hat das Werkzeug enorme
Schneidkantenstabilität und kann mit extrem hohem
Zahnvorschub eingesetzt werden. In der Praxis
werden Zahnvorschübe bis ca. 3,5 mm pro Schneide
realisiert und liegen um ein Vielfaches höher als
die gängige Empfehlung für Rundplatten (0,15-0,8
mm/Z). Somit kann bereits bei niedrigen
Schnittgeschwindigkeiten ein sehr hoher
Gesamtvorschub erzielt werden. Die reduzierte
Schnittgeschwindigkeit ergibt höhere
Werkzeugstandzeiten bei höherer
Zerspanungsleistung und vermindert die
Werkstückerwärmung duch den Hitzetransport in den
Span. Prozessoptimierung von
Plastiksspritzguss-Formen Als Beispiele von
Prozessoptimierungen können die Testreihen bei dem
Formenbauunternehmen Alfred Härer, Lorch und der
Gesenkschmiede Schneider, Aalen herangezogen
werden. Bei dem renommierten Formenbauer Härer
ergaben sich bei der Bearbeitung von
Plastikspritzguss-Formen besonders mit langen
Fräswerkzeugen die bereits angesprochenen
Problematiken (Vibrationen etc. ). Als besten
Kompromiss für einen Wendeplattenfräser Ø 50 mm
mit fünf runden Wendeplatten (Auskraglänge 200 mm
- 4xD) stellte sich die Bearbeitung mit 3000
mm/min Vorschub bei Zustellungen von ap 0,7 mm
(axial) und ae 40 mm (radial) heraus. Dies
entsprach einer Zerspanungsleistung von ~ 85
cm³/min in Werkstoff 1.2343 bei ca. 60 min.
Werkzeugstandzeit. Mit „Alpha Turbo“ konnte die
Fertigungszeit enorm reduziert werden. Die axiale
Zustellung wurde auf ap 1 mm erhöht und der
Gesamtvorschub wurde, bei niedrigerer
Schnittgeschwindigkeit von 3000 mm/min auf 9000
mm/min gesteigert. Trotz Auskragung von 200 mm und
einem Zahnvorschub von 2,5 mm/Zahn lag die
Standzeit bei ca. 75 min. Statt 85 cm³/min wurden
360 cm³/min (+400%) Material zerspant. Somit ergab
sich für Härer eine wesentlich gesteigerte
Produktivität bei höherer Betriebssicherheit.
Prozessoptimierung im Schmiedegesenkbau Neben
dem Formenbau hat die neue Fräsergeneration Ihre
Stärken im Schmiedegesenkbau. Ein
Gemeinschaftsprojekt der Gesenkschmiede Schneider,
dem Maschinenhersteller MAKINO und HITACHI TOOL
setzte sich zum Ziel ein grosses Schmiedegesenk
(Dia. 800 mm) möglichst mannlos und betriebsicher
fertigen zu können. Mit den bisherigen
Rundplattenwerkzeugen war dies aufgrund langer
Auskraglängen nicht wirtschaftlich. Durch den
Einsatz von „ Alpha Turbo“ konnte die
Schruppbearbeitung in hochfestem Werkzeugstahl
(1.2714 mit einer Härte von 45 HRC ) wesentlich
schneller als bisher und mit höchsten Standzeiten
durchgeführt werden. Zum Einsatz kamen Fräser mit
Durchmesser 63 u. 32 mm bei Auskragungen von ca. 4
x D. Bei Spantiefen von 0,8 mm wurden Vorschübe
zwischen 4500 - 5000 mm/min. realisiert und die
Wendeplatten von HITACHI TOOL erreichten
Standzeiten von über 2 Stunden pro Schneide. So
brachte man die Schmiede dem Ziel einer zeitweise
mannlosen Fertigung einen grossen Schritt näher.
Zusätzlich kamen neben der „Alpha Turbo“-Serie
noch Wendeplatten-Kugelwerkzeuge sowie
VHM-Radiusfräser aus dem Gesamtprogramm von
HITACHI TOOL zum Einsatz. Insgesamt ergaben sich
Zeiteinsparungen von über 33 % bei deutlich
höherer Fertigungssicherheit. Dies bietet der
Gesenkschmiede Schneider die Möglichkeit, auch in
Zukunft, demimmer grösser werdenden Termindruck
standhalten zu können. Fünf Mal
schneller Generell betrachtet kann das Schruppen
von 2-D bzw. 3-D-Konturen, je nach Voraussetzungen
des Anwenders, bis zu fünf Mal schneller erfolgen
als mit den bisherigen Rundplatten-Fräsern der
heutigen Generation. Die Durchlaufzeiten tiefer,
mittlerer bis grosser Formen und Gesenke können
somit wesentlich verkürzt werden. Da dem Faktor
Zeit bereits heute, als auch verstärkt in der
Zukunft , immer mehr Bedeutung zukommt, sind
solche Fortschritte im Werkzeugsektor für jeden
Anwender ein hilfreiches Mittel zur Sicherung
seiner produktiven Fertigung. Ein interessanter
Vergleich spiegelt die Leistungsfähigkeit der
neuen Fräsergeneration wieder: In 10 Minuten
können ca. 60-80 kg Werkzeugstahl zerspant werden
- dies entspricht etwa dem Gewicht eines
Erwachsenen.
Artikel erschienen in WT 71 auf Seite 30.
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