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Neue, industrielle Beschichtungstechnologie für Hochleistungswerkzeuge
Abhängig
davon welcher Statistik man glaubt, liegt der
Marktanteil der (Ti, AI)N-Schichten im Bereich der
Hochleistungswerkzeuge zwischen25-55%. Die Gründe
dafür muss man in den hervorragenden Eigenschaften
der (Ti, Al)N-basierten Schichten suchen: • hohe
Härte (~25-38 GPa) bei relativ niedriger interner
Spannung ~(-3-5 GPa), • hohe Warmhärte (niedrige
Härteverluste (30-40%) bei höheren Temperaturen
bis zu 800°C), • hohe Oxidationsbeständigkeit
(gleiche Oxidationsrate (-• 15-20 ug/cm2) bei
800°C wie TiCN bei 400°C und TiN bei 550°C), •
niedrigere Wärmeleitfähigkeit (bis zu 30%
niedrigere relative Wärmeeindringung als bei
TiN). Die Beschichtungsbranche ist enorm
innovativ. So gibt es unzählige Versuche und
Lösungen um diese guten Eigenschaften noch weiter
zu verbessern [1]: o Kombination von ARC- und
Sputter-Verfahren, o Filterung von
ARC-Makropartikeln, o Optimierung der
Prozessparameter (ARC-Strom, Bias-Spannung,
N2-Druckverlauf usw.) o Optimierung der
Kristallstruktur (z.B. mit dem Ziel der Vermeidung
der Säulenstruktur zur Verbesserung der
Korrosionsbeständigkeit), o Abscheidung von
Multitayers zur Erhöhung der Schichtzähigkeit und
-dicke, o Addition von zusätzlichen
Legierungskomponenten, wie • Chrom und Yttrium
zur Erhöhung der Oxidationsbeständigkeit, •
Zirkon, Vanadium, Bor und Hafnium zur Erhöhung der
Schicht- zähigkeit der Verschleissfestigkeit,
sowie Silicium zur Erhöhung der Härte und des
Widerstandes gegen chemische Reaktionen. Der 2
wichtigsten, momentan von praktisch allen
Entwickeltern und Firmen angestreben
Optimierungsmassnahmen der (Ti,Al)N basierten
Schichten sind aber ohne Zweifel o die
Abscheidung von Nanolayers [7], [9], [11]
sowie o die Erhöhung des Aluminium-Gehaltes [1],
[10], [11]. Nanolayers Sie entstehen durch die
Verfeinerung der Multilayer-Technik. Die
Periodenabstände (die Dicken der Subschichten)
beeinflussen massgeblich die Härte der Schicht
(Bild 1): – Die Härteerhöhung mit kleiner
werdenden Perioden wird auf die unterschiedlichen
Elastizitätsmoduls der Subschichtmaterialien
zurückgeführt. Im Falle der Schichtstruktur des
Bildes 1 nimmt man an, dass AIN über den
Periodenabstand von ca. 10 nm eine
hexagonale,darunter eine kubische Struktur
aufweist. – Der Härteabfall bei noch kleineren
Perioden kann durch die „Rauheit" der
Interface-Flächen zwischen den Subschichten
erklärt werden [13]. Falls die Interface-Flächen
zwischen den Komponenten „scharf" gehalten werden
können (siehe Bild 2), tritt der Härteabfall nicht
ein. Die Nanolayers benötigen zwingend die
gezielte Synchronisation der Kathodensteuerung und
der Drehbewegung der Werkzeuge. Sie ist beim
Beschichten gleicher Teile, also in der
Grossserienfertigung relativ einfach einstellbar.
Die ersten Probleme treten durch die Änderung der
Periodenabstände bei unterschiedlichen
Substratgrössen auf. Eine konstante
Nanotayer-Periode ist beim Lohnbeschichten von
verschiedenen Teilen in einer Charge nur mit sehr
grossem Aufwand realisierbar. Die
Periodenänderungen, die durch
Temperaturschwankungen während der Zerspanung
hervorgerufen werden, vermindern natürlich auch
die Standzeit der beschichteten Werkzeuge.
AlTiN-Schichten Die führenden Beschichter
versuchen den Aluminium-Anteil ihrer neuesten
(Ti,AI)N-basierten Schichten in der letzten Zeit
ständig zu erhöhen, damit die Härte (vor allem die
Warmhärte), die Verschleissfestigkeit, die
Oxidationsbeständigkeit und letzten Endes
natürlich das Zerspanungsverhalten verbessert
werden. Zur Unterscheidung werden diese Schichten
mit über 50% Aluminium-Anteil, AlTiN-Schichten
genannt. Aber irgendwann, bei 67%, bei 75%, oder
vielleicht noch höher bei 80% Aluminium gibt es
eine Grenze. Danach verschlechtern sich die
Eigenschaften der Schichten (Bild 3). Diese
Grenzen : o die praktisch sehr schwierig
konstant zu haltende Nanolayer-Periode und o der
maximal sinnvolle AI-Anteil von Aluminium sind nur
mit Hilfe von grundsätzlich (physikalisch)
neuen Lösungen, wie die Nanocomposites,
zu durchbrechen [3], [7],
[11]. Nanocomposites Durch gleichzeitiges
Abscheiden von sehr unterschiedlichen Materialien
(z.B. Ti, AI und Si) werden die Komponenten nicht
vollständig gemischt und es entstehen 2 Phasen.
Die nanokristallinen TiAIN-Körner werden in die
amorphe Si3N4-Matrix eingebettet. Die so
entstandene Bienenwaben-Struktur stoppt die Risse
an den Korngrenzen (Bild 2 und 4). Neben den
hohen Härtewerten ist die Wärmebeständigkeit der
Nanocomposite-Schichten hervorzuheben. Das rechte
Diagramm des Bildes 5 [13] zeigt, dass bis 1100 °C
praktisch kein Härteabfall auftritt. Es ist aus
der Sicht der trockenen Hochleistungsbearbeitung
enorm wichtig. Eine weitere
Entwicklungsmöglichkeit bietet die Abscheidung der
Nanocomposite-Schicht mit einer
Nanolayer-Grundstruktur. Die Nanolayer-Periode des
Bildes 4 wurde durch FFT mit 35Ä berechnet. Zu
dieser Struktur ist es zwingend notwendig, dass
die ARC-Kathoden dicht nebeneinander aufgebaut
werden. Dies genau wird mit der
LARC®-Technologie (LARC®: Lateral Rotating
ARC-Cathodes = seitlich rotierende ARC-Kathoden)
verwirklicht. LARC®-Verfahren Um
Nanocomposite-Schichten industriell und
wirtschaftlich abzuscheiden, muss die
Beschichtungsanlage rundsätzlich die folgenden
Grundvoraussetzungen erfüllen: o Die Kathoden
müssen dicht nebeneinander liegen. o Es muss ein
hoch ionisiertes Plasma. o mit hoch intensivem
Magnetfeld aufgebaut werden. o Dies setzt einen
sehr schnell bewegten ARC-Spot voraus. Da die
heute bekannten Verfahren diese Forderungen nur
zum Teil erfüllen, wurde von PLATIT AG zur
Herstellung dieser Hochleistungsschichten eine
neue Technologie und eine neue Beschichtungsanlage
(Bild 6) entwickelt, die nach dem neuen
LARC®-Verfahren arbeiten. Die wassergekühlten
Kathoden drehen sich. Das Magnetfeld wird durch
Permanentmagnete und Spulen erzeugt und vertikal
sowie radial gesteuert bzw. bewegt. Die 6
wichtigsten Vorteile der LARC®-Technologie werden
grundsätzlich durch die sich rotierenden Kathoden
und durch ihre seitliche Anordnung ermöglicht. Sie
werden deswegen „p-Vorteile" genannt (Bild
7). Die p-Vorteile 1. Optimale Schichthaftung
durch VIRTUAL SHUTTER® Das A und 0 aller guten
Schichten ist die gute Haftung. Die seitliche
Anordnung der zylindrischen Kathoden
ermöglichte die Schaffung des sog. VIRTUAL
SHUTTER®, der ohne empfindliche mechanische
Elemente arbeitet (Bild 8). Das Magnetfeld wird
um 180° nach hinten gedreht, der ARC nach hinten
gezündet, um die Targets vor dem eigentlichen
Beschichtungsprozess zu reinigen und die groben
Partikel an die Hinterwand abzuscheiden.
Währenddessen können die Substrate im intensiven
Plasma gereinigt werden. Der ARC wird danach (ohne
dass er erlischt) zu den Werkzeugen gedreht. So
wird die Zeit des Ionen-Ätzens massgeblich gekürzt
und die Haftschicht mit metallisch reinen Targets
abgeschieden. 2. „Breite" Targets mit langer
Lebensdauer Der trivialste Vorteil einer
rotierenden, zylindrischen Kathode ist ihre
„Breite". Sie ist beim gleichen Platzbedarf p-mal
breiter als ein Planar-Target. So kann ein Target
bis zu 200 Chargen ohne Wechsel seine Dienste
tun. 3. Glatte Schichten durch Reduzierung der
ARC-Droplets Bei der konventionellen
ARC-Technologie wird die Mehrheit der Droplets am
Anfang des Prozesses „verspritzt. Es fängt beim
Zünden des ARC an, wenn am stehenden Spot die
grössten „Schmelzbäder" entstehen. Diese grossen
Droplets werden bei der LARC®- Technologie mittels
VIRTUAL SHUTTER® nach hinten an die Rückwand
abgeschieden. Die Grosse und die Anzahl der
Droplets hängen während der Schichtabscheidung u
a. von der Geschwindigkeit der ARC-Spotbewegung
ab. Sie wird bei den heute üblichen Planartargets
mit Steered-ARC nur durch die Magnetführung
erzeugt, bzw. gesteuert. Mit den rotierenden
Kathoden ist die Spotbewegung schneller und
gteichmässiger. Sie ergibt sich als Addition aus
der Rotation des Targets und aus der vertikalen
Oszillation des breiten Magnetfeldes. So kann
die LARC®-Technologie mit Hilfe des VIRTUAL
SHUTTER®und der sehr schnellen ARC-Spotbewegung
Schichten mit bedeutend niedrigerer Rauheit
erzeugen (Bild 9). 4. Herstellung von
Nanocomposites Die seitlich angeordneten,
zylindrischen Kathoden benötigen nur einen
minimalen Platz. So können mehrere Kathoden auf
kleinstem Raum, in kleinen Kompaktanlagen die
Abscheidung metallisch unterschiedlicher
Komponenten ermöglichen. Durch die schnelle
Relativbewegung können sogar niederschmelzende
Targetmateralien (z.B. pures AI oder AISi) anstatt
der teueren Legierungen (z.B. A125%/Ti75%,
A150%/Ti50%, A167%/Ti33% usw.) verwendet
werden. Ein aus purem Silizium bestehendes
Target ist aus einfachen mechanischen Gründen
nicht denkbar. Das Silizium wird aus legierten
Targets (AISi, CrSi, TiSi etc.) abgeschieden. Nach
dem Abscheiden aus dem Target müssen AI und Si
getrennt werden (Segregation). Das Silizium geht
nicht in die metallische Phase ein, sondern die
Nanokristallinen (z.B. TiAIN) werden in die
amorphe Matrix (z.B. Si3N4) eingebettet. Dazu ist
ein hochionisiertes Plasma, ein hochintensives
Magnetfeld notwendig. Der schnelle ARC- Spot
erlaubt ein höchst intensives Magnetfeld, ohne
die Targets durchzubrennen (wofür die Gefahr bei
Planartargets durchaus sehr gross ist.) Die
entstehende Nanocomposite- Struktur weist kleine
Kristallinengrössen, keine „Lücken" zwischen den
Nanokristallinen, scharfe Interface-Grenzen und
damit eine hohe Härte auf. Als zusätzlicher
Vorteil werden die Risse an den Komgrenzen
gestoppt (Bild 2). 5. Herstellung von
Nanogradients mit programmierbarer
Stöchiometrie Durch die Verwendbarkeit von
mehreren „puren" Targets (pures Ti, AI, sowie
AISi) ist die Schicht-Stöchiometrie
(Zusammensetzung) frei programmierbar und in der
Tiefe kontinuierlich veränderbar. In der
gradienten LARC®-Schicht wird zum Anfang das
Aluminium verspätet zum Titan abgeschieden, damit
eine optimale Haftung entsteht. Danach wird der
AI-Anteil während der Abscheidung kontinuierlich
gesteigert, um die Härte, die Wärmefestigkeit und
Oxidationsbeständigkeit der Schicht zu erhöhen.
Zum Schluss wird der Aluminium-Anteil
zurückgenommen und der Ti-Anteil erhöht, damit
eine „schöne" goldige Oberfläche entsteht. 6.
Herstellung von Multi- bzw. Nanolayers Die
Multi- und Nanolayers sind periodisch geänderten
Gradienten (Bild 10). Die hohe Härte bringt
natürlich höhere interne Spannungen mit sich. Mit
Hilfe der Multilayer- Struktur kann die interne
Spannung bei den sehr guten (-3-4 GPa) gehalten
werden [7]. Anlagengrösse Wie aus den Bildern
zu entnehmen ist, handelt es sich nicht um eine
der üblicherweise grossen Beschichtungsanlagen,
die die grösseren Werkzeughersteller normalerweise
einsetzen. Die ersten LARC®-Anlagen sind viel
kleiner. Warum ? – Die Beschichtung soll nicht
das Privilegium der grossen Beschichter und
Werkzeughersteller bleiben. Kleine und
mittelständische Unternehmen sollen sich die
modernsten Schichten in ihren Werkstätten selber
abscheiden können. – Die neuen Schichten lösen
TiAIN & Co nicht sofort, auf einen Schlag ab. Der
Bedarf an nanostrukturierten Schichten wird in den
nächsten Jahren kontinuierlich steigen, was dann
die Auslastung von grösseren Anlagen ermöglicht.
– Wenn man die Technologie und Produktion der
Kathoden im kleinsten Raum beherrscht, fällt die
Up-Scaling viel leichter. Wichtig ist es dabei,
dass die Kathoden paarweise, mit kleinen
Zwischenabständen eingebaut werden. Wie aus dem
Bild 4 hervorgeht, die Nanocomposite-Struktur kann
auf der Grundlage einer Layer-Struktur entstehen.
Diese Layers (AIN und TiN) können nur dann im
Bereich von 10 nm bleiben und damit keine
Härtereduzierung hervorrufen, wenn die Targets
nicht weit auseinander liegen. – In den
kleineren Anlagen muss man total verschiedene
Teile nicht unbedingt zusammen beschichten.
Kleinere Chargen sind auch wirtschaftlich
durchführbar. – Mehrere kleine
Beschichtungsanlagen sind auf keinen Fall weniger
produktiv als eine grosse. Sie sind aber viel
flexibler und ermöglichen eine betriebsichere
Lieferfähigkeit. – Kleine Beschichtungsanlagen
werfen natürlich einen niedrigeren Profit für den
Hersteller ab, als die grösseren. Langfristiges
Denken hat sich aber schon immer
gelohnt. Entwicklungspotential des
LARC®-Verfahrens Wenn man neue Anlagen,
Technologien oder Schichten vorstellt, dann bringt
man üblicherweise Ergebnisse, bei denen das neue
Produkt gegenüber der Konkurrenz die höchste
Leistung, bei höheren Parametern und bei
niedrigeren Kosten ermöglicht. Brechen wir
diesmal mit diesem Brauch. Stattdessen sollen die
Bilder 11 und 12 das Entwicklungspotential dieser
innovativen Technologie für Zerspanung mit
Hartmetallwerkzeugen verdeutlichen. Die
dargestellten Verbesserungen der Ergebnisse
konnten innerhalb einer Zeitspanne von 2 Monaten
erreicht werden. Zusammenfassung Die (Ti,AI)N-
basierten Schichten sind die Marktführer im
Bereich der Hochleistungswerkzeuge. Die
Weiterentwicklung der aktuellen Top-Schichten
(Nanolayers und AlTiN) ist durch physikalisch
gegebene Schwierigkeiten
begrenzt. Nanocomposite-Schichten durchbrechen
diese Grenzen. Der Beitrag stellt eine grundlegend
neue Entwicklung vor. Die neue LARC®-Technologie
arbeitet mit seitlich angeordneten, rotierenden,
zylindrischen Kathoden. Dadurch ergeben sich die
so genannten p-Vorteile: 1. Optimale
Schichthaftung durch den VIRTUAL SHUTTER® 2.
„Breite" Targets mit langer Lebensdauer 3.
Glatte Schichten durch Reduzierung der
ARC-Droplets 4. Herstellbarkeit von
Nanocomposites 5. Herstellbarkeit von
Nanogradients mit programmierbarer
Stöchiometrie 6. Herstellbarkeit von Multi- und
Nanotayers Um wettbewerbsfähige, an die
Anwendung angepasste, einfache oder komplizierte
Schichtstrukturen abzuscheiden braucht man heute
nicht mehr grosse und teuere Beschichtungsanlagen.
Im Gegenteil, die mittelständischen Unternehmen
können mit Hilfe der LARC®-Anlage die neuesten
nanostrukturierten Schichten selber abscheiden und
höchstproduktive Eigenmarken
generieren. Referenzen [1] Derflinger, V.,
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Structure-Hardness Relations in Sputtered
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and Industrial Applications, Vacuum, 67 (2003) p.
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Economy, with High Performance Machining and
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Atlanta, GA, USA. [16] Cselle, T., Morstein, M.
Holubar, P., Jiiek, M., Karimi, A.: Integration
der Beschichtungs-Technologie in spanende
Bearbeitungsprozesse mittelständischer Unternehmen
5. Schmalkalder Werkzeugtagung, Schmalkalden,
Nov/2002. (7703-59)
Artikel erschienen in WT 77 auf Seite 52.
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