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Fräswerkzeuge für Kurbelwellen
Mit ihren
Ein- und Mehrzylindermotoren hat sich die in
Ruhstorf a.d. Rott und nahe Passau ansässige
Motorenfabrik HATZ weltweit einen ausgezeichneten
Namen geschaffen. Die 1000 Beschäftigten des seit
über 120 Jahren im Familienbesitz befindlichen
Unternehmens produzieren im Jahr etwa 50 000
Dieselmotoren mit Leistungen von 3-60kW sowie rund
2,2 Millionen Motorkomponenten für Hersteller von
Kraftfahrzeugen und Motorrädern. Dabei ist das
niederbayerische Unternehmen nicht nur mit seinem
Eigenprogramm sondern vor allem als Lieferant von
Motorkomponenten einem starken Wettbewerbsdruck
ausgesetzt. Ein wichtiges Element zur
Zukunftssicherung sind deshalb kontinuierliche
Investitionen in den Maschinenpark und in die
Optimierung der Fertigungsabläufe. Unter diesen
Kriterien wurde auch der Bereich
Kurbelwellenfertigung neu organisiert, um bei
steigender Qualität die Ausbringung erhöhen und
gleichzeitig die Kosten senken zu
können. Kurbelwellenfertigung auf dem
Prüfstand Diese Überarbeitung betraf auch einen
der ,,Renner" aus dem Eigenprogramm, die
Einzylinder-Dieselmotoren des Typs B 20. Mit
Leistungen bis 3,5 kW kommen die luftgekühlten
Motoren als Antriebsmaschinen für Bau- und
Landmaschinen, Gartengeräte, Wasserpumpen u.a.m.
zum Einsatz. Neben der Überprüfung der einzelnen
Fertigungsabläufe, wobei die Stückzahlen der
verschiedenen Motorvarianten den
Automatisierungsbestrebungen Grenzen setzten, galt
das besondere Augenmerk dem Fräsen der
Kurbelwellen. Die für diesen Fertigungsbereich
Verantwortlichen sahen hier gute Chancen, durch
neue Frässtrategien mit dem vorhandenen
Maschinenpark die gewünschten Verbesserungen zu
erzielen. Lösungen gemeinsam entwickeln Mit
ihrer umfangreichen Erfahrung fiel es den
HATZ-Spezialisten relativ leicht, aus dem großen
Feld der Werkzeuganbieter diejenigen auszuwählen,
die neben einem breiten Werkzeugangebot auch
spezialisiertes Wissen einbringen konnten, um den
kostenintensiven Komplex ,,Kurbelwellenfertigung"
zu optimieren. Besondere Aufmerksamkeit fanden
dabei die auf jahrzehntelanger Erfahrung im Bau
von Sonderwerkzeugen basierenden Vorschläge der
Fa. INGERSOLL. Adolf Hausler,
Gebietsverkaufsleiter des Werkzeugspezialisten aus
Haiger, erarbeitete gemeinsam mit dem Team um
Obermeister Josef Maier eine Strategie, die
technisch und wirtschaftlich die überzeugendste
Lösung versprach und auch für die künftigen
Entwicklungen eine überzeugende Basis
bot. Fertigungszelle
Kurbelwellen-Vorbearbeitung Fa. HATZ bezieht die
Kurbelwellen für den 1-Zylinder
Industriedieselmotor als Schmiedeteile. Diese
werden im Werk Ruhstorf spanend bearbeitet und
nach einer Wärmebehandlung der Motorenmontage
einbaugerecht zugeführt. In der
Kurbelwellen-Vorbearbeitung bilden drei Maschinen
eine U-förmige Fertigungszelle. In dieser werden
in einem ersten Arbeitsgang die Wellenenden
vorgedreht und abgelängt und dann die Hubzapfen
mit einer Durchmessertoleranz von 0,7 mm auf einer
SW-Fräsmaschine auf Schleifmaß gefräst. Danach
erfolgt das Fräsen der Wangen auf Fertigmaß mit
+/– 0,1 mm sowie das Überfräsen der Außenkontur
des Gegengewichtes. Die drei Maschinen werden von
einer Person bedient und wegen der relativ
geringen Stückzahlen der verschiedenen
Kurbelwellengrößen auch manuell beschickt. Damit
liegt es in der Verantwortung des Bedieners, den
Fertigungsablauf und Materialfluss so zu
koordinieren, dass trotz der unterschiedlichen
Hauptzeiten die vorgegebenen Stückzahlen pro
Zeiteinheit erreicht
werden. Sonderwerkzeug
Kurbelwellenfräser Zum Fräsen des Hublagers und
des überschüssigen Werkstoffs, insbesondere an den
Wangen und am Gegengewicht, kommt ein INGERSOLL
Fräser des Typs 87 WEG mit nach innen gerichteten
Schneiden zum Einsatz. Sein Grundkörper mit 610 mm
Außendurchmesser und einer Breite von 40 mm
nimmt am Innendurchmesser sechs Segmente auf.
Jedes Segment trägt zwei nach innen gerichtete
Wendeschneidplatten zum Fräsen des Hublagers und
je zwei seitlich angeordnete zum beidseitigen
Fräsen der Wangen. Mit einem Innendurchmesser von
230 mm und einer Schneidbreite von 27,2 mm ist
dieses Werkzeug für den Kurbelwellentyp B 20
ausgelegt. Die Aufnahme der Wendeschneidplatte in
Segmenten und der daraus resultierende schnelle
Werkzeugwechsel hat Josef Maier von Anfang an
überzeugt. Jedes Segment ist mit zwei Schrauben am
Grundkörper befestigt und dadurch sehr schnell und
einfach auszuwechseln. Dabei ist die Verbindung
der Segmente mit dem Grundkörper durch die breite
Anlagefläche und die Mitnahme am Grundkörper
äußerst robust und nach Ansicht der
HATZ-Spezialisten mit der Monoblockbauweise
durchaus vergleichbar. Aufgenommen wird das
Werkzeug in einer Kurbelwellenfräsmaschine
Fabrikat GFM. Deren CNC-Steuerung führt den Fräser
am Werkstuck entlang, das stationär zwischen
hydraulischen Backen gespannt ist. Durch die nach
innen gerichteten Schneiden entsteht gegenüber dem
Außenfräsen ein günstigeres Eingriffsverhältnis
mit einem längeren Kontaktbogen. Dies erlaubt
einen größeren Vorschub und führt zu einer
besseren Laufruhe, was sich wiederum in einer
größeren Standzeit
niederschlägt. Optimierungsvorgaben
erreicht Die Kurbelwellen werden trocken
gefräst. Bei einer Schnittgeschwindigkeit von 140
m/min und einer max. Spanungsdicke von 0,38 mm
liegt die Standzeit des INGERSOLL-Fräsers bei
durchschnittlich 500 Kurbelwellen. Trotz der
geringeren Zähnezahl mit 12 effektiv wirkenden
Zähnen wird damit das Ergebnis gegenüber dem
vorher eingesetzten Wettbewerbsfabrikat mehr als
verdoppelt. Der mit vier Passnuten, einer Mitnahme
und acht Schrauben an der Fräseinheit der Maschine
befestigte Fräser läst sich in nur 15 Minuten
ausbauen. An einem Voreinstellplatz innerhalb der
Fertigungszelle werden dann die
Wendeschneidplatten gedreht und die Schneidkanten
neu eingestellt. Da sich dieser Einstellvorgang
auf eine neue Schneide bei der Mehrzahl der
Wendeschneidplatten 8-mal durchführen lässt,
erweist sich die Investition für das
Sonderwerkzeug von INGERSOLL als äußerst
wirtschaftlich. Ebenso wirtschaftlich gestaltet
sich die Beschaffung und Lagerung der
Wendeschneidplatten. Für jeden der 10
Kurbelwellentypen wird ein Fräser benötigt und
jeder Fräser kann mit den gleichen Schneidplatten
bestückt werden - ein nicht zu unterschätzender
Vorteil auch im betrieblichen Ablauf. Josef
Maier und sein Team sind sich bewusst, dass die
Leistungsfähigkeit des INGERSOLL Fräsers unter den
derzeitigen Einsatzbedingungen auf einer etwas
älteren GFM-Maschine und auch auf dem 2002 in
Betrieb genommenen neuen Modell noch nicht voll
genutzt wird. Deshalb laufen zurzeit Versuche, die
Kurbelwellenfräser mit Wendeschneidplatten
positiver Geometrie zu bestücken. Durch deren
extrem weichen Schnitt und den deutlich geringeren
Leistungsbedarf sind diese Fräser besonders für
labilere und leistungsschwächere Maschinen
geeignet, Ergänzt durch das Know-how von Lieferant
und Anwender kann dann davon ausgegangen werden,
dass Firma HATZ auf dem Weg zur Optimierung der
Arbeitsabläufe beim Kurbelwellenfräsen einen
großen Schritt weitergekommen ist.
Artikel erschienen in WT 84 auf Seite 36.
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