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Schwerzerspanung leicht gemacht
Der
weltweit älteste Hersteller von Druckmaschinen,
die 1817 gegründete Koenig & Bauer AG, Würzburg,
verfügt heute über die breiteste Produktpalette
aller Druckmaschinenanbieter. Deshalb sieht das
2.200 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen seine
besondere Stärke in dem einzigartigen Know-how auf
den verschiedenen Feldern der Drucktechnik sowie
in der hohen Kompetenz bei der Bewältigung
individueller Kundenanforderungen. Diesen
Kundennutzen gilt es durch Maßnahmen, wie die enge
Zusammenarbeit mit Lieferanten, zu sichern und zu
verbessern, um den Herausforderungen der Zukunft
begegnen zu können. Große Flächen
wirtschaftlich bearbeiten Welche Ergebnisse sich
dabei erzielen lassen, zeigt die Bearbeitung von
Seitenteilen für die verschiedenen Druckwerke und
Falzgestelle. Die aus EN/GJL/250 (GG 25)
gegossenen, durchschnittlich 3.600 x 2.000 x 425
mm großen und fünf Tonnen schweren Werkstücke,
müssen bei einer Bearbeitungszugabe von 6 bis 10
mm auf beiden Seiten plan gefräst und an den
Stirnflächen überfräst werden. Trotz dieser
Dimensionen ist beispielsweise bei einem
Seitenteil mit 425 mm Breite eine Toleranz der
Planflächen von +/– 0,05 mm einzuhalten. Beide
Extreme, Abmessungen und Genauigkeit, konnten
bislang auf insgesamt sechs Langfräsmaschinen in
Portalbauweise vom Typ Kolb Pentamat bewältigt
werden. Allerdings ließen die Bearbeitungszeiten
zu wünschen übrig, da die Planfräser eines
bekannten Werkzeugherstellers nur eine reduzierte
Maschinenleistung zuließen. Diese zeit- und
kostenintensive Bearbeitung war dann auch für
Ewald Baumeister, Leiter Fertigungsbereich
Gestelle, der Ansatzpunkt, um mit neuen
Frässtrategien die Gestellbearbeitung
wirtschaftlicher zu
gestalten. Prozesssicheres Fräsen mit neuen
Werkzeugen Unter den Konzepten der verschiedenen
Werkzeuglieferanten sahen Ewald Baumeister und
Rainer Sengl, Verantwortlicher für die
NC-Programmierung Werkzeuge, in dem Vorschlag der
Firma Ingersoll Werkzeuge GmbH die überzeugendste
Lösung. Deren Gebietsrepräsentant Hermann Schimmer
empfahl eine neue Strategie: Schruppen und
Egalisieren mit Eckfräsern der Baureihe PowerMax
und anschließendes Schlichten mit Fräsern aus der
Reihe MicroMill. Aber er beließ es nicht nur bei
dem Wechsel vom Plan- zum Eckfräser, sondern
definierte auch neue, der Großflächenbearbeitung
angepasste Wendplatten. Gemeinsam wurde dann an
der Plattengeometrie und an den Spanungsparametern
„gefeilt“. Das Team um Ewald Baumeister ließ seine
praktischen Erfahrungen einfließen - Erfahrungen,
die sich bei den Fräsversuchen vor Ort als sehr
konstruktiv erwiesen und der Mannschaft von
Ingersoll die Optimierung der Wendeschneidplatte
erleichterte. Fräser für die
Schwerzerspanung Zum Schruppen der großflächigen
Gestellteile empfahl Ingersoll Standard-Eckfräser
aus der Baureihe PowerMax mit 315 mm
Nenndurchmesser und 14 Wendeschneidplatten. Die
quadratischen, vierschneidigen Wendeschneidplatten
mit positiver Geometrie, speziell für die schwere
Schruppbearbeitung bei Koebau konzipiert, haben
sich mittlerweile bei anderen Anwendungen bestens
bewährt und bilden dank ihrer hervorragenden
Leistungen bei kurzspanenden Werkstoffen einen
wichtigen Teil des Produktprogramms. Gefräst wird
trocken mit einer Schnittgeschwindigkeit von 150
m/min, einer Vorschubgeschwindigkeit von 1.350
mm/min und einer Drehzahl von 150 1/min. Mit fz =
0,64 mm Vorschub/Zahn, einer Eingriffsbreite ae =
250 mm und einer Schnitttiefe ap = 10 mm ergibt
sich dabei ein Zeitspanvolumen Q von etwa 3.375
cm³/min mit einer um 20% kürzeren Bearbeitungszeit
gegenüber dem Planfräser. Unter diesen
Fräsbedingungen ist das Potential des Eckfräsers
noch lange nicht ausgeschöpft, wird aber im
Hinblick auf den übergangslosen Wechsel von
Fräsbahn zu Fräsbahn sowie die Prozesssicherheit
und Standzeit als sekundär bewertet. Sukzessive
wird jedoch daran gearbeitet, die Spindelleistung
der Langfräsmaschine besser zu nutzen und das
Potential des Fräsers unter Berücksichtigung
wirtschaftlicher Standwege zu optimieren.
Egalisieren und Schlichten Beim Schruppen
mit z-konst. trägt der Fräser die
Bearbeitungszugabe von durchschnittlich 6 bis 10
mm in einem Durchgang mit einer Spantiefe von max.
9 mm bis auf einen Rest von 1mm zum Fertigmaß ab.
Danach werden die Spannvorrichtungen gelöst, damit
sich Spannungen im Gestell abbauen können.
Gegebenenfalls gleicht ein über die gesamte Fläche
gezogener Egalisierschnitt von max. 0,15 mm zum
Fertigmaß einen Verzug aus. Abschließend kommt der
Schlichtfräser MicroMill mit einem Nenndurchmesser
von 315 mm und acht vierschneidigen
Wendeschneidplatten mit positiver Geometrie zum
Einsatz. Durchschnittlich werden beim
Feinschlichten 0,15 mm in einem Durchgang mit
einer Schnittgeschwindigkeit vc = 150 m/min und
einer Vorschubgeschwindigkeit vf = 2 350 mm/min
abgetragen. Mit diesen Werten verkürzt sich die
hinsichtlich Spanabtrag und Standzeit optimierte
Bearbeitung gegenüber der mit dem Planfräser um
rund 35 Prozent. Strategie erfolgreich
umgesetzt Nach mehrmonatigem Einsatz beschreibt
Ewald Baumeister die neue Frässtrategie mit den
für ihn wichtigsten Eckwerten: „Die Zeitersparnis
wirkt sich bei dem Maschinenstundensatz der
Langfräsmaschinen deutlich auf die Kalkulation und
letztendlich auf unsere Wettbewerbsfähigkeit als
Profitcenter innerhalb der Koenig & Bauer-Gruppe
aus. Denn eine Reduzierung der Bearbeitungskosten
um 20 Prozent bietet uns zusätzlichen
Handlungsspielraum.“ Aber nicht nur diese Seite
der Kostenbetrachtung gibt Anlass zur Freude. Auch
an der Langfräsmaschine hat sich die Umstellung
auf die neue Strategie bestens bewährt. Trotz der
um ca. 35 Prozent höheren
Vorschubgeschwindigkeiten gegenüber der früheren
Bearbeitung erweist sich die kombinierte
Schrupp-/Schlichtbearbeitung als sehr
prozesssicher. – Eine deutliche Bestätigung der
gemeinsam erarbeiteten Strategie von Koebau und
Ingersoll und der bedarfsorientierten
Werkzeugwahl.
Artikel erschienen in WT 89 auf Seite 73.
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